Montag, 14. November 2016

Giuggiolina - nein danke

Wer am Wochenende auf der Ölmesse in Imperia unterwegs war, dem begegnete immer wieder der Slogan „Giuggiolina no grazie“. Mal auf T-Shirts, mal auf Plakaten. Was oder wer ist Guiggiolina eigentlich und warum sind soviele dagegen?
Alles begann damit, dass sich das Consorzio di Tutela dell’Olio Extravergine di Oliva DOP Riviera Ligure gründete, mit dem Ziel, die Olivensorte Taggiasca vor der Konkurrenz aus anderen Landesteilen Italiens und Europas zu schützen. Die vielen positiven Eigenschaften der edlen Sorte haben sich herumgesprochen – auch bei namhaften Köchen. Vielerorts in Europa wachsen jetzt Taggiascabäume. Auch aus Apulien, wo riesige Olivenbaumbestände von dem tödlichen Bakterium Xylella bedroht sind, kommen verstärkt Nachfragen nach Setzlingen.

Der Ursprung der Sorte Taggiasca liegt auf den Lerin-Inseln vor Cannes. Mit den Benediktinermönchen gelangte die Olive nach Ligurien, wo sie der Überlieferung nach erstmals bei Taggia angebaut wurde. Daher der Name. Ganz so einfach und eindeutig ist die Sache allerdings nicht. Auch Seborga im Hinterland von Sanremo erhebt Anspruch auf die Urheberschaft (siehe dazu auch Taggiasca: Nomen ist nicht immer omen).

Egal wie, die Taggiasca ist ein Gewächs aus einer klar definierten Region, der Riviera Ligure. Damit nicht irgendwann anderwo mit dem Naturprodukt Geld verdient wird, soll die Taggiasca mit einem DOP-Siegel (denominazione di origine protetta) von der Sorte zur Marke mutieren. Hier kommt jetzt die Giuggiolina ins Spiel.

Das Prädikat DOP darf laut EU-Recht nämlich nicht an den wissenschaftlichen Namen des zu schützenden Objekts gekoppelt werden und der ist in diesem Fall nunmal Taggiasca. Um sich DOP schreiben zu dürfen, müsste der Name im Register abgändert werden, in Giuggiolina etwa, wie die Sorte im Volksmund heißt. Taggiasca-Oliven sind klein, so klein wie Sesamkörner, giuggioline eben. Am Ende des bürokratischen Eiertanzes würde dann die Bezeichnung Taggiasca DOP-Schutz genießen.

Die kleinen Öl-Produzenten aus den Provinzen Imperia und Savona laufen Sturm gegen dieses Ansinnen, obwohl auch sie das Problem erkannt haben. Nur als Mitglieder des Consorzio hätten sie noch die Möglichkeit, ihre Oliven als cultivar Taggiasca auszuweisen. Der bürokratische Aufwand und die Kosten dafür aber sind enorm. Fast 80% der hiesigen Olivenbauern könnten dadurch aus dem Markt gedrängt werden. Die Fronten sind verhärtet.

2016 wird übrigens ein schlechtes Oliven-Jahr. Man spricht von einem Ernteausfall von 30% – 50%. In einigen Regionen lohnt es sich nicht mal, die Netze auszulegen. Das treibt die Preise. Auf der OLIOLIVA Messe wurden pro Liter im Schnitt bei 12 bis 13 Euro verlangt.

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