Samstag, 26. September 2015

Achtung: Genzübergreifendes Erbrecht

Die Sonne lacht, das Meer ist blau … wer denkt da schon an den Tod? Sich keine Gedanken um das eigene Ableben zu machen, kann für die Angehörigen fatale Folgen haben, insbesondere, wenn man seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt hat.
Ligurien-Pensionäre und –Rentner aufgepasst: Das EU-Erbrecht, dass seit dem 18.8.2015 gilt, hält ein paar Fußangeln bereit, die dazu führen können, dass ein ganz anderer, als der, dem der Nachlass zugedacht war, zum lachenden Erben wird.

Nach der Europäischen Erbrechtsverordnung findet nämlich auf das gesamte Vermögen des Erblassers (bewegliches und unbewegliches) das Erbrecht des Staates Anwendung, in dem er seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt hatte. Dabei ist es egal, ob sich die Vermögenswerte nur dort oder auch in Deutschland befinden. Wer also „residente“ ist und den Gutteil des Jahres in seinem Häuschen in Ligurien lebt, bringt seine Erben unter Umständen in eine missliche Lage.

In Italien gilt etwa das beliebte Berliner Modell, in dem sich die Ehegatten gegenseitig als Alleinerben einsetzen, nicht. Dem überlebenden Ehepartner steht nach Landesrecht lediglich die Hälfte des Vermögens zu. Immerhin gewährt das italienische Erbrecht dem übriggebliebenen Ehegatten in jedem Fall ein Wohnrecht an der ehelichen Wohnung, die im Eigentum des Erblassers oder beider Ehegatten steht, sowie ein Gebrauchsrecht an den Einrichtungsgegenständen zu.

Für manche kann das italienische Erbrecht aber sogar von Vorteil sein. Da gilt es von Fall zu Fall abzuwägen, was günstiger ist. In Italien sind folgende Erbschaftssteuersätze wirksam:

• Ehegatten, Kinder und Enkelkinder 4 %, Freibetrag 1.000.000,00 Euro
• Geschwister 6 %, Freibetrag 100.000 Euro
• Sonstige Verwandte bis zum vierten Grad in gerader Linie und bis zum dritten Grad in der Seitenlinie 6 %, kein Freibetrag
• anderen Personen 8 %, kein Freibetrag

Werden Immobilien vererbt fallen in Italien neben der Erbschaftsteuer unter Umständen zusätzlich die sogenannte Registersteuer (2 bzw. 4%), Hypothekensteuer (3% ) und Katastersteuer (1%) an.

Nur wer in seinem Testament ausdrücklich die Anwendung deutschen Erbrechts vorschreibt, kann ausschließen, daß im Erbfall italienisches Recht zur Anwendung kommt.

Mehr Informationen dazu findet man hier, direkt bei der EU-Justizbehörde

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