Freitag, 25. September 2015

Buchs-Killer auf dem Vormarsch

Die Zünsler sind unter uns. Der treudeutsche Name bezeichnet eine Schmetterlingsart, die ursprünglich aus Ostasien stammt. Mittlerweile vernichten die Raupen derselben ganze Buchsbaumbestände in Europa. 2011 wurde der Schädling erstmals in Italien registriert.
Jetzt ist Cydalima perspectalis auch in unserem Garten in Ligurien angekommen. Die bis zu 5cm lange Raupen, in den Farben Jamaikas gestreift, haben schon ganze Arbeit geleistet. Die Blätter der Buchsbäume sind vertrocknet, die kleineren Äste abgestorben. Ein Gespinst voll mit Kotkügelchen verklebt das Innere der Pflanze. Das Teuflische daran: Man entdeckt den Befall erst, wenn es schon (fast) zu spät ist.

Abhilfe schaffen mit Hochdruck
Was kann man tun gegen den Buchsbaumzünsler? Als Sofortmaßnahme legt man eine Folie unter den Buchsbaum und bearbeitet ihn mit dem Kärcher. Der Wasserdruck fördert die Raupen schnell zu Tage und löst das Gespinst auf. Nun kann man sie einsammeln und vernichten, wie, bleibt jedem selbst überlassen.

Alle wird man mit dieser Methode nicht erwischen. Bis zu vier Generationen des Schmetterlings – er ist weiß mit einem braunen Rand - wachsen im Laufe eines Gartenjahres heran, da wird das manuelle Absammeln der Raupen zur Sisyphosarbeit.

Der Falter selbst lebt nur wenige Tage und ist meist nicht auf dem Buchs zu finden, sondern sitzt auf anderen Pflanzen. Die Eiablage erfolgt in den Buchs. Gelbtafeln in der Nähe der Buchsbäume dezimieren die Schmetterlinge zwar nicht nennenswert, geben aber Aufschluss darüber, ob der Buchsbaumzünsler im Garten überhaupt vorkommt und wann die nächste Raupen-Generation zu erwarten ist.

Bei erkanntem Befall kann man auch mit Bacillus Thuringiensis, einem biologischen Pflanzenschutzmittel, das es als Pulver portioniert zu kaufen gibt, den Kampf aufnehmen. Es wird in Deutschland auf städtischen Flächen eingesetzt, wirkt aber offenbar nur bei sehr gezielter und regelmäßiger Anwendung durch Spezialisten.

Schädlingsfrei "Neem" (Neembaum-Öl) setzt man am Besten ein, wenn die Raupen noch klein sind. „Mittelfristiger Erfolg nicht gegeben“ steht dazu in einem Flyer des Landratsamtes Kehl. Wenig ermutigend.

Und selbst wenn man sich entschließt, dem Schädling mit der chemischen Keule zu Leibe zu rücken, hat man schlechte Karten. Das Gift direkt an die Raupen zu bringen, ist aufgrund des dichten Blattwerks des Buchsbaumes nur unter großem Druck von Erfolg gekrönt. Die Sprays im Handel kann man also getrost vergessen. Da muß man schon mit der Gartenspritze ran, mit Mitteln wie Calypso von Bayer oder Careo von Celaflor.

Aber solange in irgendeinem Garten vor Ort auch nur ein paar Buchsbaumzünsler überleben, kann man (fast) sicher sein, dass auch der eigene Buchsbaum bald wieder besiedelt wird.

Die rasante Ausbreitung des Buchsbaumzünslers quer durch Europa ist zu nahezu hundert Prozent den Gartencentern und Baumärkten zu verdanken. Auch unser Zünsler dürfte auf diesem Weg in unseren Garten gelangt sein.

Für die Gartencenter entsteht eine Win-Win-Win-Situation. Sie verdienen zunächst am Verkauf von ei- oder raupenbesetztem Buchs, danach am Verkauf der in der Hand von Hobbygärtnern nur sehr begrenzt wirksamen Bekämpfungsmittel (siehe oben) und schließlich am Verkauf der Ersatzpflanzen nachdem die Hobbygärtner ihren Buchs frustriert herausreißen.

Lesen Sie dazu auch: Bioinvasoren in Ligurien

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