Donnerstag, 11. Juni 2015

Wanderung: Rundweg zum Monte Armetta

Blick in die Seealpen vom Monte Armetta aus
Der Juni ist in den Bergen wegen der bunten Wiesen besonders reizvoll. Man weiß gar nicht, wo man den Fuß hinsetzen soll, vor lauter Edelweiß – ja, Edelweiß! – Enzian, Feuerlilien, Orchideen und anderen Frühlingsblühern. Eine besonders schöne Wanderung führt von
der Berghütte Pian dell`Arma oberhalb von Caprauna auf den Monte Armetta und zurück.

Das letzte Stück Weg ab der Teerstraße zu unserem Ausgangspunkt ist für tiefer liegende Autos nicht ganz ohne. Keine schlechte Idee, wenn alle aussteigen – bis auf den Fahrer natürlich. Nach etwa 400 Metern sind wir am Ziel. Die Hütte ist zugesperrt, aber die Betten hängen zum Lüften draußen. Auf einem Stück Pappkarton steht: Chiuso x spese, die Wirtin ist also Einkaufen. Gut so, wir wollen nach unserer Tour bei ihr einkehren.

Ein paar Meter oberhalb der Hütte führt rechts ein schmaler Pfad über die Wiese und dann durch den Wald aufwärts. Nach einigen engen Kehren passieren wir eine imposante Felsnadel und treten bald darauf ins Freie. Der Pfad endet an einer Fahrstraße. Wir halten uns links, wie der Bauer rät, der dort gerade nach seinen Tieren Ausschau hält. Wer sich rechts hält, den Rundweg also andersherum geht, muss sich mehr anstrengen. Also links. An einer kleinen, neu gedeckten Steinhütte zweigt ein Pfad noch oben ab, das ist unserer. Von Ferne sieht man mitten auf dem Weg eine Kuhherde, immer eine heikle Situation. Die Leitkuh weigert sich, Platz zu machen, also wird sie großräumig umgangen.

Unser Pfad mündet in die Alta Via dei Monti Liguri (AV), den rot-weiß markierten Ligurischen Höhenwanderweg, dem wir nach rechts folgen, bis er über einen breiten Kamm den Monte Armetta (1739 m) erreicht. Was für ein Blick - in alle Richtungen. Der Eintrag ins Gipfelbuch ist Pflicht.

Fast drei Stunden sind wir jetzt unterwegs, zweimal Verlaufen und „pranzo a sacco“ eingerechnet. Wir gehen bergab weiter auf dem Ligurischen Höhenweg, kommen nach geraumer Zeit durch ein kleines Sumpfgebiet und am Waldesrand vorbei zum Colle San Bartolomeo, wo wir den Höhenweg verlassen und nach rechts auf die Fahrstraße einbiegen. Rifugio Pian dell`Arma 1 Stunde lesen wir. Also frohgemut ausgeschritten. Der Ziehweg zieht sich. Die Sonne brennt. 20 Minuten später ein neues Schild: Rifugio Pian dell`Arma 1 Stunde 10 Minuten. Nicht gerade motivierend. Zumal wir in der Ferne das Rifugio liegen sehen. Dazwischen ist allerdings ein tiefes Tal.

Der nächste Wegweiser zum Rifugio ist in seiner Ausrichtung ziemlich uneindeutig. Geht es nun rechts bergauf oder weiter auf der Fahrstraße? Es geht rechts hinauf. Wie gut, dass unterhalb des Abzweigs eine Viehtränke ist, das Wasser wird schon knapp.

Der schöne Weg steigt sachte an, und führt in langen Schleifen um den tiefen Einschnitt herum auf einen Sattel. Dort, hurra, ein Wegweiser nach links: Rifugio Pian dell`Arma 40 Minuten. Das kann doch nicht sein! Ist es auch nicht. Wir brauchen 20 Minuten, bis wir wieder vor der Hütte stehen. Zu Bier und Wein tischt die Wirtin, die gerade Wäsche aufhängt, als wir ankommen, ein Brett mit Käse und Wurst auf. Der Wein aus dem Piemont – wir sind ja hier nicht in Ligurien - ist seine 10 Euro wirklich wert.

Für die Tour mit einem Höhenunterschied von 500 m (Strecke etwa 10 km) haben wir sechs Stunden gebraucht. Bei einem Durchschnittsalter der Wandergruppe von 66 Jahren doch gar nicht schlecht.

GoogleMaps