Samstag, 4. April 2015

Alles Müll oder was?

Müll wird auf der Deponie verteilt
Die Provinz Imperia ist entschlossen wie nie, das leidige Müllproblem endgültig zu lösen. Letzthin wurde stolz verkündet, daß in der Regione Colli bei Taggia spätestens 2019 eine hocheffiziente Mülltrennunganlage in Betrieb gehen soll, eine Investition von 70 Millionen Euro und weiteren 200
Millionen für die Laufzeit der nächsten 20 Jahren.

Das Projekt der Gesellschaft Idroedil, Betreiber der Mülldeponie Colletto Ozzotto, sieht eine Kompostierungsanlage für organische Abfälle vor, sowie eine Anlage, in der Metall, Plastik und Papier mechanisch und manuell getrennt und später recycelt werden. So soll langfristig nur noch 16% des Abfalls in der Deponie landen.

Angesichts der bekannten dubiosen Praktiken auf der Mülldeponie reibt man sich ob soviel Optimismus verwundert die Augen, zumal noch gar nicht klar ist, wo der Müll in der Zwischenzeit hin soll. Die Deponie hatte eigentlich schon im Januar ihre Kapazität überschritten.

Und bei der geplanten Erweiterung der Deponie knirscht es gewaltig. Der sogenannte „Lotto 6“ (Abschnitt 6) beschäftigt jetzt die Gerichte. Im September 2014 wurde die Baustelle dort von offizieller Seite still gelegt. Es geht um Urkundenfälschung, Vorteilsnahme, Amtsmissbrauch. Im Visier der Ermittler: Techniker, Funktionäre und Verwaltungsangestellte. So war einer der Geologen, betraut mit der Umweltverträglichkeitsprüfung des Projekts, gleichzeitig Berater der Idroedil. Auch die DDA (Direzione Investigative Antimafia) beschäftigt sich mit dem Fall:

Vieles deutet daraufhin, dass in der Colletto Ozzotto in den letzten 10 Jahren immer wieder illegal Müll entsorgt wurde, darunter auch, wie jetzt herauskam, kontaminiertes Erdreich von den Aufräumungsarbeiten nach der Überschwemmung in Bordighera 2006. Die Rede ist auch von Müll, der von außerhalb der Provinz angekarrt und auf der Deponie verbuddelt wurde.

Wohin also einstweilen mit dem Abfall?

Die Mülldeponien in der näheren und weiteren Umgebung haben schon abgewunken.
Anfang April 2015 wurde entschieden, 70% des Restmülls außerhalb der Provinz Imperia zu entsorgen. So werden demnächst die Mülltransporter Richtung Lombardei rollen, zur Deponie Lomellina. Für die Einwohner der Provinz Imperia könnte diese Regelung richtig teuer werden. Imperias Bürgermeister Carlo Capacci malte schon das Schreckgespenst von einer 80%-igen Erhöhung der Müllentsorgungsgebühren an die Wand.