Dienstag, 14. Mai 2013

Hauskauf in Krisenzeiten: Jetzt zuschlagen?

Vendesi-Plakate überall
Ein Haus im Grünen, mit einem Garten ringsherum. Am liebsten in der Nähe des Meeres, auf jeden Fall aber unter südlicher Sonne. Am besten in Italien, an der immer blühenden Riviera. Davon träumen viele – besonders in der kalten Jahreszeit, wenn draußen alle grau in grau ist. Aber jetzt in Italien investieren? In diesem krisengeschüttelten, hochverschuldeten Land? „Der Zeitpunkt ist durchaus günstig“,
meint zumindest Lorenzo Trincheri von der Agentur Immobiliare Valprino in Dolcedo. „Der italienische Haushalt mag überschuldet sein, der Immobilienmarkt ist hingegen extrem stabil. Viel stabiler als andere europäische Häusermärkte.“


Krisenfester Markt – was ist anders? Der Immobilienexperte, seit rund 20 Jahren im Hinterland von Imperia

tätig, charakterisiert den nationalen Markt so: „Er wird von den Italienern selbst getragen. Mit rund 80 Prozent Eigenheimquote liegen die Italiener an Europas Spitze. Deutschland hat eine Quote von nur circa 42 Prozent.“ Mitinhaberin Barbara Meyer, die insbesondere deutsche und englische Kunden betreut und für diese sämtliche baurechtlichen und bürokratischen Fragen abwickelt, ergänzt: „Anders als in England, Spanien und Amerika beruht das italienische Wohneigentum nur in geringem Maße auf Krediten und Hypotheken. Eine Immobilienblase bildet sich aber nur auf dieser Grundlage. Als diese Blasen in Spanien und den USA platzten, kam es zu einer Entwertungswelle, die alle Immobilien preislich in die Tiefe riss. In Spanien haben Immobilien bis zu 60 Prozent ihres nominalen Wertes verloren.“

Der Grund für den stabilen Markt in Italien: Die Banken halten sich bei der Kreditvergabe für Eigenheime vergleichsweise zurück und verlangen im Schnitt einen Eigenanteil von rund 60 Prozent. Beim Kauf eines neues Hauses hilft daher meist die italienische Großfamilie, während keine oder nur kleine Kredite bei der Bank aufgenommen werden.

Der Haken für deutsche Käufer: Auch sie werden bei italienischen Banken nur mit maximal 40 Prozent des Kaufpreises finanziert – in Deutschland bekommt man 60 bis 80 Prozent des Kaufpreises von der Bank. Wer eine Immobilie in Deutschland vorweisen kann und auf diese eine Hypothek aufnimmt, bekommt allerdings auch in Italien mehr.

Natürlich ist die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise nicht spurlos am italienischen Häusermarkt vorbeigegangen: Seit 2008 gibt es im Zuge der allgemeinen Krise auch einen Rückgang an Immobilienverkäufen. Dies bietet potenziellen Hauskäufern aber aktuell nur Vorteile. Erstens: Die Auswahl hat sich vergrößert. Zweitens: Die Preise sind in den letzten vier Jahren um 10-15 Prozent gesunken. „In der Umgebung von Dolcedo ist das keine Zeichen von Wertverlust" - meint Helga Sporer-Hahn, Marketingberaterin der Agentur Valprino - "sondern lediglich Preissenkungen, die in einem teils überhitzten Markt wieder auf realistisches Niveau bringen.“ Lorenzo Trincheri ergänzt: „Langfristig wird die schwächere Nachfrage am gesamten Immobilienmarkt wohl dazu führen, dass sich die Spreu vom Weizen trennt. Häuser in gefragten Lagen werden im Wert kaum sinken und langfristig wieder steigen. Unsere Gegend zeichnet aus, dass hier kaum mehr neu gebaut werden darf und das Umfeld immer attraktiver wird – etwa durch den Ausbau des Jachthafens von Imperia“.

Eine Ferienimmobilie ist als Geldanlage auch deshalb attraktiv, weil sie mehrere Optionen offen lässt: Eigennutzung, Anlage und Vermietung. Italien kommt bei den Deutschen nicht aus der Mode, weder beim Urlaub, noch beim Hauskauf. Ein schönes Haus lässt sich daher fast immer auch wieder leicht verkaufen. Von Dr. Katharina Böttger