Sonntag, 31. August 2008

Einbruch im Ferienhaus Teil 1

Einbrecher am Werk
Alptraum eines jeden Ferienhausbesitzers in Ligurien oder sonst wo auf der Welt: Die Haustür aufgestemmt, die Scheiben gesplittert, alle Schubladen rausgezerrt und durchwühlt und das Unterste nach oben gekehrt. ... Dabei war man doch nur eben auf
dem Markt und jetzt steht man da, fassungslos, mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch und nimmt die Tat sehr persönlich Bargeld und Digitalkamera sind weg, auch der Laptop. Dass die Sprache des Betriebssystems sich nicht so ohne Weiteres umstellen lässt, erfüllt einem in diesem Moment mit grimmiger Genugtuung. Soll er doch Deutsch lernen, der Schuft!


„Beliebt" bei den Dieben sind restaurierte Rustici, umgebaute Mühlen, hübsche Villen, alles was nach Ferienobjekt riecht, je abgelegener, desto besser. Am helllichten Tag können ein paar Männer hier ungestört einen gesamten Hausstand abtransportieren, freundlich gegrüßt vom zufällig vorbei kommenden Jägersmann mit Hund. Die Fremden, die da ihren Lieferwagen voll laden, könnten ja die Eigentümer sein, die man nicht kennt. Lieber nicht einmischen. Aber auch bewohnte Häuser in der Nähe schrecken die Diebe nicht ab. Als bei unseren deutschen Nachbarn unten am Fluss die ungebetenen Besucher kamen, schaute ihnen der pensionierte Polizist von nebenan ungerührt zu, wie sie nach und nach die ausrangierte Erstausstattung an Camping-Möbeln einpackten und sich damit aus dem Staub machten. Er hätte sich schon ein bisschen gewundert, meinte der ehemalige Ordnungshüter hinterher. Immerhin hat er anschließend wenigstens die aufgebrochene Eingangstür mit einem Vorhängeschloss gesichert.

Häufig wird es den Dieben aber auch leicht gemacht: Ein nur mit Fliegengitter geschütztes Fenster im ersten Stock, darunter ein kleines Gartentischchen. Einer macht die „Räuberleiter", der andere schwingt sich hinauf. Ein paar Minuten später brausen die Übeltäter auf dem Scooter davon, vorbei am Hausbesitzer, der den Hund Gassi führt und sich hinterher nur an ein gelbes Nummernschild erinnert. Aber auch der offene Kofferraum abreisender Sommergäste, die nur eben noch etwas aus dem Haus holen wollen, ist eine günstige Gelegenheit ...

Geklaut werden die merkwürdigsten Dinge. Eine offensichtlich kaputte Bohrmaschine etwa, auch mal nur zwei Lampen, die sich später in einem verfallenen Rustico in der Nähe wieder finden. Dass die Einbrecher meine Klarinette mitgenommen haben, kann ich allerdings verstehen. Das Köfferchen ließ sich unauffällig unter den Arm klemmen und über die „faschen" davon tragen. Einen Käufer für das Instrument zu finden, dürfte nicht schwer gewesen sein. Der Gedanke, dass sie heute die Küste rauf und runter zur Tarantella aufspielt, ist irgendwie tröstlich. Vor welchem Fenster der edle Vorhang jetzt wohl hängt, der bei der „Totalräumung" der 80 Meter von uns entfernten Villa mitgenommen wurde? Hat der Einbrecher seine „fidanzata" oder seine Mama damit beschenkt? An die Handhabung der amerikanischen Kochmulde mussten sie sich sicher erst gewöhnen und ob in dem ausgebauten Forno die ebenfalls abhanden gekommene deutsche Aldi-Backmischung je zu einem dunklen Bauernbrot geworden ist, wer weiß...

Auch ein Schwedenofen kann recht nützlich sein, vor allem im Winter. So ein Ding aber ist schwer, sauschwer sogar. Die kriminellen Unternehmer mussten in diesem Fall richtig hart arbeiten. Einer von ihnen hat am Küchentisch bei einem Glas Wasser verschnauft und in einem deutschen Kochbuch geblättert, sorglos DNA-Spuren und Fingerabdrücke hinterlassend. Schlimm genug, dass der Ofen geraubt wurde, dass die Einbrecher auch noch „Scheißdeutscher" (auf Italienisch) an die Wand geschmiert haben, hätte wirklich nicht sein müssen. Die Carabinieri in ihren schnieken Uniformen kamen erst am anderen Tag. Da war der Schnee schon geschmolzen, in dessen Schutz die Einbrecher gelassen ihrem Handwerk nach gehen konnten. Bei so einem Wetter jagt man keinen Ligurer vor die Tür und die Polizei schon gar nicht, die hat keine Winterreifen - oder einfach keine Lust. Die Spurensicherung hatte keinen Termin frei, bis wir - die Zeugen - abreisen mussten. Der Commandante des zuständigen Polizeireviers versprach, mit dem einzigen Streifenwagen verstärkt Präsenz in der Gegend zu zeigen. Sehr beruhigend. Ob das Telefon im Revier immer noch auf die Fax-Weiche umgestellt wird, wenn die Carabinieri nachts unterwegs sind? Ich hatte Gottlob schon länger keinen Anlass, an zu rufen.

Fast möchte man die Freunde und Freundinnen beneiden, die ihr Dorfhaus zusperren und abreisen, ohne auch nur einen einzigen Gedanken daran zu verschwenden, wie sie es wohl bei ihrer Rückkehr vorfinden werden. Die soziale Kontrolle durch die unmittelbare Nachbarschaft hat ihre unbestreitbaren Vorteile. Der fliegende Händler, der an die Türen der verwaisten Häuser klopft, bleibt nicht unbemerkt, egal welche Absichten er hat.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, Einbrüche sind in Ligurien nicht an der Tagesordnung, aber sie kommen vor. Es gibt verschiedene Strategien, damit umzugehen und das Risiko zu minimieren. Man kann seine Hütte verrammeln wie Fort Knox und dadurch vielleicht noch interessanter machen. Dann rücken die Einbrecher womöglich mit schwerem Gerät an und der Schaden an Fenster- und Türangeln ist größer, als der Verlust an Wertgegenständen. Man kann es auch halten wie wir, und durch ein vergittertes Fenster freien Blick auf die IKEA-Möbel gewähren und auf den Uralt-Fernseher. Ob das schon mal jemand abgehalten hat, sich Zugang zum Haus zu verschaffen, dafür gibt es keine Gewähr. Sicherheit ist eben in erster Linie ein Gefühl.
Das eher spartanische Interieur abzulichten und den „sehr geehrten" Herrn Einbrecher schriftlich zu bitten, doch keinen allzu großen Schaden an zu richten, wenn er denn schon unbedingt ins Haus müsse, hat sich nicht bewährt. Die „ladri" haben sich nicht drum geschert, vielleicht weil sie kein Italienisch konnten. Die Polizisten sind jedenfalls beim Anblick diese Schildes vor Lachen fast hintenüber gefallen.
Ein Safe schützt zumindest vor den spontanen Diebstählen: In drei Minuten rein und mit der Beute auf und davon. Haben die Einbrecher Zeit, nehmen sie aber unter Umständen gleich die ganze „Burgwächter"-Kiste mit und machen sich in aller Ruhe in irgendeiner Garage darüber her. Möglicherweise kommt die deutsche Hausratversicherung für den Schaden auf. Diese erstattete bei einer Freundin anstandslos den Flachbild-Fernseher, nicht aber die 800 Euro, die auf dem Tisch lagen. Mit diesem Geld sollte eine Rechnung von Freunden beglichen werden. Dumm gelaufen: Hätte das Opfer das Geld als Eigenes deklariert, hätte die Versicherung gezahlt. Also zuhause mal die Police hervorkramen oder den Agenten anrufen und sich beraten lassen.

Abschließend kann man eigentlich nur jedem wünschen, von solchem Ungemach verschont zu bleiben. Oft wiegt nämlich der psychische Schaden durch den Eingriff in die Intimsphäre - denn einen solchen stellt ein Einbruch zweifellos dar - schwerer, als der materielle Verlust. Die Räume mit Salbei auszuräuchern soll die schlechten Energien vertreiben. Wenn´s vielleicht auch nicht hilft, so riecht´s wenigstens gut.

ZUM THEMA VERSICHERUNGEN

Angela Van de Loo, die in Dolcedo Dienstleistungen rund ums Haus anbietet, vermittelt auch den Kontakt zu Versicherungen. "Eine Hausratversicherung würde ich jedem Ferienhaus-Besitzer empfehlen", meint sie, "eine Versicherung gegen Diebstahl hingegen lohnt sich in den seltensten Fällen". Wer stattet schon sein Ferienhaus mit wertvollen Gemälden und Antiquitäten aus.

Bei der Allianz in Sanremo etwa kostet die Rundum-Versicherung für ein neues, frei stehendes Haus ca. 570 Euro im Jahr, bei einem Versicherungswert von 180.000 Euro.

Eine einfache Hausratversicherung hingegen kann man schon ab 280 Euro abschließen. Sie deckt Einbruchsschäden an Fenstern und Türen, Vandalismus sowie Wasser- und Feuerschäden. Nicht versichert sind entwendete Wertgegenstände und die Auswirkungen von Erdbeben.