Dienstag, 25. November 2014

Euro-Tischlein-deck-dich

Die  legendäre Gurken- krümmungsverordnung ist kaum zu toppen: Aber, daß ab sofort (Stichtag: 24.11.) Olivenöl in italienischen Restaurants, Bars und Pizzerien nur noch in nicht wieder befüllbaren Einwegbehältnissen auf den Tisch kommen darf, ist kaum
weniger abstrus. Ölkännchen mit ihrem unergründlichen Inhalt wurden schon 2006 offiziell aus dem Verkehr gezogen.

Das, was italienische Restaurateure jetzt umsetzen sollen, nennt sich etwas sperrig "Durchführungsverordnung über die Vermarktungsvorschriften für Olivenöl", und bestimmt, daß "in öffentlichen Betrieben in Behältern angebotene native Olivenöle so verschlossen sein müssen, dass der Inhalt nicht verändert werden kann, ohne dass der Behälter geöffnet oder verändert wird, und sie müssen auf dem Etikett mindestens die Herkunft und die Losnummer des Produkts tragen; ausgenommen bleiben die Verwendung in der Küche und zur Vorbereitung von Mahlzeiten."

 Die Formulierung "senza che la confezione sia aperta ..." läßt einen gewissen Spielraum für Interpretationen. Heißt das nun, daß nachfüllbare Flaschen weiterhin erlaubt sind, aber - einmal angebrochen - vom Tisch genommen werden müssen? Daß jemand einen Weg findet, die Verordnung zu unterlaufen ist gewiss.

Ziel der EU-Vorschrift ist es, die weitverbreitete Pantscherei und den Etikettenschwindel einzudämmen. Dem stehen allerdings Lebensmittelverschwendung und Umweltbelastung durch ein Mehr an Müll gegenüber. Und mit ziemlicher Sicherheit Preiserhöhungen, denn der Gastwirt kann sein Öl nicht mehr günstig im Kanister kaufen und selbst abfüllen. Wenn er es trotzdem tut, drohen ihm Geldstrafen bis zu 8000 Euro.

Italien selbst stimmte übrigens für die Verordung, um sein Extra Vergine Olivenöl vor den Massenprodukten aus Spanien, Griechenland und Nordafrika zu schützen.

Die Eurokraten haben bereits weitere gastronomische Produkte im Visier, liest man. Der Essig soll demnächst ein ähnliches Schicksal erleiden wie das Öl. Und gar Wein soll nicht mehr in Karaffen verkauft werden dürfen. Das Aus für den quartino della casa? Folgen noch Salz, Pfeffer und Zucker, sehen Restauranttische demnächst aus, wie Regale im Supermarkt.