Samstag, 22. Juni 2013

Das große Fressen

Von Calabrone Liebe Freunde aus Deutschland sind zu Besuch bei uns. Die beiden haben ständig Hunger, schlimmer als damals die Berliner Ferienkinder. Wir schwärmen von einem Restaurant im Piemont, indem wir schon einige Male waren. Ungefähr zwanzig Speisefolgen für unter 20 Euro. Ich rufe an und reserviere für Sonntag, ich kann die beiden überzeugen mit zwei Autos zu fahren, weil ich der schlechteste aller Beifahrer bin und Gregors Fahrstil kenne.

Nachdem die beiden ausgiebig gefrühstückt haben geht’s endlich los.

Auf der Via Nazionale von Imperia Oneglia Richtung Pontedassio bis Ponte di Nave von dort immer höher, begleitet von einem rauschenden Gebirgsbach bis hin zum Ziel. Als wir endlich eingeparkt haben, steigen wir die steile Rampe zum Hotelrestaurant hinauf. Vor dem Lokal warten schon 150 hungrige Italiener, vorwiegend Altere, sieht aus wie der Ausflug eines Altersheims.

Die Tür ist noch verschlossen und alle versuchen sich möglichst weit vorn zu positionieren. Schlag 12.30, die Pforte öffnet sich. Wir hetzen hinter den anderen her. Auf geht’s in die oberen Speisesäle, ohne großes Federlesen werden die Plätze eingenommen. Unter dem Geschnatter der hungrigen Gäste werden Rot-und Weißweinflaschen aufgetragen, Quellwasser in Karaffen platziert und schon werden die ersten Vorspeisen verteilt.

Salami, getrocknetes Rindfleisch, Wildschwein, grüner Spargel an Käsesauce, ausgebackenes Gemüse und so weiter. Danach Nudeln mit würziger Tomatensauce, Risotto mit Steinpilzen und noch ein Risotto mit grünem Spargel. Die Bedienungen sind aufmerksam, der Wein wird unaufgefordert nachgeliefert. Die beste aller Ehefrauen ermahnt Regina und Gregor, nicht zuviel Brot zu essen ...

Auf einmal ist die Aufregung groß, eine betagte Turinerin, zwei Tische weiter, liegt mitsamt ihrem Stuhl am Boden, „troppo vino“ erklärt uns der nette Kellner. Als das Wildscheinragout serviert wird, liegt die Arme schon wieder auf dem Rücken. Flinke Helfer entsorgen sie, ich frage wohin: Sie und ihr Mann haben für ein paar Tage ein Zimmer im Haus gemietet, das kennen wir schon, das passiert jeden Tag.

Für alle Gerichte werden Nachschläge angeboten, viel verschwindet davon in den Tupperdosen und wird versenkt in den Taschen der Gäste. Gregor will wissen, gibt es noch mehr? Da kommen schon die Käsebrocken, einer der bei den Gästen Beliebteste, sieht aus wie Kernseife und schmeckt auch so. Vor dem Eis wird dann noch jedem eine gebackene Bachforelle serviert. Ächz, Stöhn!

An einem Tisch in der Nähe amüsieren sich ein paar Junge Leute, Studenten aus Turin, königlich, weil sie die Frage der Bedienung, ob sie denn satt wären, lautstark verneinen. Sie bekommen prompt im Schnelldurchgang nochmal die komplette Speisefolge serviert.

Nachdem wir am Tresen beim Chef bezahlt haben, machen wir uns auf den Heimweg. Ich muss den Gürtel lockern, weil ich das Gefühl habe, gleich zu platzen. Die Beste aller meiner Ehefrauen und ich machen noch einen Verdauungsspaziergang, während unsere Freunde auf dem Heimweg sind und sind uns einig: die nächsten Tage Diät.

Als wir schließlich am Spätnachmittag wieder zu Hause sind, sitzen Gregor und Regine vor einer Riesenschüssel Spaghetti mit Sugo. Autofahren macht hungrig!


Albergo Ristorante Mongioie, Ormea, Località Viozene Tel.: 0174 390101