Donnerstag, 16. Mai 2013

Auf dem Wochenmarkt

Von Calabrone Es ist Samstag und die beste aller Ehefrauen, möchte auf den Wochenmarkt. Sie mag es, über den Markt zu schlendern und bleibt an jedem Verkaufsstand stehen um die Angebote zu begutachten. Am Parkautomaten kann ich eine ärmlich gekleidete Frau, die es sich dort bequem gemacht hat, nur mit viel Beredsamkeit davon abhalten mir die Münzen für die Parkzeit aufzudrängen, sie bleiben in ihrem Hut.

Schon der Weg zum Markt unter den Arkaden der Via Bonfante in Imperia Oneglia hindurch ist beschwerlich. Immer wieder versperren Menschengruppen den Durchgang. Hier scheint jeder jeden zu kennen und bleibt gern auf ein Schwätzchen stehen, geht es dann endlich weiter, bremst einen abrupt eine ausgestreckte Hand mit einem klappernden Pappbecher in den Fingern, in dem ein paar Münzen hüpfen.

Ich freue mich über das unerwartete Geschenk und greife zu, meine Frau klärt mich auf, der bettelt und will DEIN Geld.

Es heißt immer wieder, die jungen Italiener heiraten, wenn überhaupt erst spät und kriegen keine Kinder, aber offensichtlich haben sich alle Kindseltern der Region auf dem Wochenmarkt verabredet um das schönste Baby zu küren. Da kommt es dann immer wieder zu Staus in den engen Gängen zwischen den Ständen.

Früher konnte man noch tolle Kleidung aus italienischer Produktion, günstige Lederschuhe und modische Accessoires von den ligurischen Händlern kaufen. Die Artikel, die heute angeboten werden kann man auch in jedem chinesischen Supermarkt bekommen. Die wenigen verbliebenen Händler aus der Region verkaufen Obst, Gemüse und Blumen. Wir kaufen einen dicken Strauß Ranunkeln, unsere Lieblingsblumen.

An einem Stand mit frischem Obst und Gemüse entdecke ich grüne Bohnen, wäre doch lecker heute zum Lamm? Der smarte Verkäufer reicht mir eine Papiertüte, ich bin noch beim Eintüten, da bekomme ich einen Stoß in die Seite und eine gut gekleidete ältere Dame drängelt sich vor. Ich bin spät dran, bin gleich fertig. Bohnen, eine Handvoll Kartoffeln, aber nur aus Albenga, ein paar Karotten, aber mit Kraut, ah und ein Kilo Tomaten Cuore di Bue, die sind doch aus eigenem Anbau, setzt sie voraus und der Mann hinter dem Stand nickt. Ein Bund grüner Spargel und ein paar Zucchini, ich mache mir mittags gern eine Minestrone, ich bin gleich fertig entschuldigt sie sich bei mir, etwas Staudensellerie und haben sie Basilikum?

Nein, keinen Topf, nur wenig, hier ein kleiner Bund, reicht das? Ja, was kostet das? 50 Cent, wie bitte? Das ist ja unverschämt, 50 Cent, das sind ja tausend Euro. Der Mann hinterm Gemüse schaut sie fragend an, ich kann aushelfen: Sie meint tausend "vecchie Lire". Wollen Sie es trotzdem nehmen, ja brauch ich doch für meine Suppe. Macht 27,50 Euro, vielen Dank für ihren Einkauf, bis nächste Woche, Signora! Endlich bekomme ich meine Bohnen, €5,70 ca. 11.400 Lire.

Am Hafen gönnen wir uns noch einen Aperitivo mit leckeren Stuzzichini und treten die Heimfahrt an. Die Frau am Parkautomaten war nicht mehr da. Wer weiß, wie vielen Leuten ohne Kleingeld sie heute aus der Klemme geholfen hat?