Montag, 5. November 2012

Das Geburtstagsessen

Von Calabrone Ich habe mal wieder Geburtstag, es waren eigentlich schon zu viele. Die beste aller Ehefrauen hat eine tolle Überraschung, wir fahren heute nach Alassio und ich lade dich in einem schicken Restaurant zum Essen ein. Alassio hat ein gewisses Flair, ich freue mich. Wir nehmen die Küstenstraße, es ist Sonntag und wenig Verkehr. Beim Schlendern durch die Gassen entdecken wir ein Restaurant mit vornehm eingedeckten Tischen und Weinkühlern auf jedem Platz. Wie gefällt es dir? Ja, das nehmen wir, sage ich, komm wir setzten uns da ans Fenster. Ich kann nicht mal dazu meiner Liebsten den Stuhl zurechtzuschieben, da kommt so ein gegeelter Latinlover mit abgewetzter schwarzer Hose angeschossen. Tutto prenotato, tutto completto, wir haben nixe frei! No menu turistico!

Nachdem wir im dritten Laden abgewiesen werden, wird der Hunger übermächtig, unvermittelt stehen wir in einer Seitengasse vor einem kleinen, unscheinbaren Fischrestaurant. Im düsteren Speisesaal sehen wir viele glückliche Italiener, die sich mit Hingabe über Teller mit Scampi, Langusten und Branzini hermachen. Die Wirtin, ein großmütterlicher Typ in dunkler Kittelschürze, führt uns an einen freien Tisch. Dann kommt der Chef, in einem von der vielen schweren Arbeit in der Cucina gezeichneten Kochoutfit. Er begrüßt uns so herzlich, als wären wir Stammgäste.

Ich versuche meiner Frau wortreich die Vorzüge eines netten kleinen Familienrestaurants aufzuzählen. Der fährt frühmorgens noch selbst mit seinem Boot raus um seine geliebten Gäste mit dem zu verwöhnen, was das Meer bietet. Glücklich, das wir hier endlich verwöhnt werden, bestelle ich zum Aperitif eine Flasche Prosecco. Salute! Ich habe ja nicht jeden Tag Geburtstag ...

Als Primo Spaghetti allo Scoglio, danach Languste. Mi dispiace entschuldigt sich der Capo, tutto esaurito, alles ausverkauft, ich kann ihnen aber eine gemischte Fischplatte anbieten.

Die Spaghetti sind ok, die angepriesene Fischplatte eine trockene Angelegenheit. Sardinen, Triglie, Scampi und ein Stück Seppia. Mit den gebackenen Sardinen habe ich ein Problem. Mir bleibt eine Gräte im Hals stecken, ich habe Angst zu ersticken. In letzter Not, meine liebe Begleiterin schaut mich entsetzt an, gelingt es mir unter Zuhilfenahme einer zusammengerollten Serviette, die ich mir in den Hals stopfe, die widerspenstige Gräte aus dem Gaumen zu extrahieren.

Die anderen Gäste haben nichts von der bedrohlichen Situation mitgekriegt und zechen munter weiter. Nach dem Dessert bestellen wir noch zwei Café, den serviert uns der Chef wieder persönlich und schwärmt wortreich von den vielen, lieben Deutschen, die schon bei ihm zu Gast waren.

Dann kommt er mit einem Geschenk für uns, einer kleine Sperrholzschachtel, der Deckel beklebt mit kleinen Muscheln und dem Schriftzug „Saluti di Alassio“. Oh, jetzt wird es teuer! Stimmt. Die Rechnung haut mich fast um. Zähneknirschend trennt sich die beste aller Ehefrauen von den vielen Scheinen. Ein schöner Geburtstag!

Aber eigentlich hätten wir gleich im Lanterna Blu essen können.