Sonntag, 5. August 2012

Die Wein-Tankstelle

Von Calabrone Deutsche Freunde leben im Hinterland, ihr Dorf klebt wie ein Adlernest am Berg. Die Gassen sind eng und steil, alles muss mühsam zum Haus befördert werden. Mit ein bisschen Glück findet sich jemand, der gegen einen Obolus schwere Sachen auf der Ape herankarrt. Umso mehr verwundert es mich, dass sie vino sfuso (offenen Wein) bei einem Händler aus dem Piemont kaufen wollen. Typisch ligurisch, sie haben den Geheimtipp von einem anderen Deutschen.

Ich will mir das mal anschauen. Versteckt hinter einem Schrottplatz, unter den riesigen Pfeilern der Autobahnbrücke, bietet der geheimnisvolle Verkäufer seine Ware auf der Ladefläche unter der Plane seines LKWs an.

Wir müssen warten, der Andrang ist groß, erstaunlich wie viele damigiane, diese Weinballons mit 34 Liter Inhalt, in einen Panda passen. Während ich interessiert zuschaue, wie die Weinflaschen unserer Freunde über einen Schlauch aus großen Tanks befüllt werden, reicht mir der Lieferant einen Probeschluck im Pappbecher.

Mir ist dass alles zu umständlich, Weinballons, Schlauch und Pumpe kaufen, aus den Großen zu Hause in kleine Flaschen umfüllen, aufpassen, dass der Wein nicht umschlägt und zu Essig wird. Der geschäftstüchtige Verkäufer aber würde mich gerne als Kunden gewinnen.

Wenn Sie Platz genug haben, stelle ich Ihnen einfach einen Tank in Ihren Keller, wenn der leer ist, fülle ich ihn wieder auf. Das finde ich ganz interessant, ich gebe ihm meine Visitenkarte, mit der Bitte mir ein Angebot zu machen. Eigentlich genial, eine eigene Weintankstelle, wie in der Toskana, vielleicht kann ich unsere Nachbarn dann mitbeliefern.

Wieder zu Hause, erzähle ich meiner Frau davon, sie ist not amused. Einige Wochen später, ich bin gerade unterwegs, klingelt das Handy. Obgleich das Telefonieren im Auto streng geahndet wird, gehe ich ran.

Du Idiot, was hast du jetzt wieder angestellt. Die fast beste aller Ehefrauen klingt völlig aufgelöst. Er ist da, er ist riesig, er wird gerade abgeladen, komm sofort nach Hause und sieh zu, wie wir das Ding wieder loswerden. Was denn, kann ich endlich fragen. Meine Frau kreischt, ich kann sie kaum verstehen, der Weintank, er wird gerade abgeladen, komm endlich!

Unter Missachtung aller Verkehrsregeln, ich mache es jetzt wie die Italiener, rase ich nach Hause, mit quietschenden Reifen komme ich zum Halten.

Da steht er …