Mittwoch, 30. Mai 2012

Lehr mich die Ligurer kennen

Von Calabrone  Wir wollen Stühle kaufen, unser Weg führt uns mal wieder in das Kaufhaus Richtung Pontedassio, in dem es alles gibt, außer Lebensmitteln. Nach kurzem Suchen haben wir das unseren Wünschen entsprechende Musterexemplar gefunden. Probesitzen, das
ist er. Die einzige Verkäuferin auf der Möbeletage, eine smarte junge Frau, bittet uns sich due minuti zu gedulden. Sie ist damit beschäftigt, einem älteren Herrn motorbetriebene Fernsehsessel vorzuführen.


Der wird von der kompletten Familie begleitet, unter lautstarken Ratschlägen nimmt Opa in den diversen High-Tech-Sesseln Platz

Jeder seiner Begleiter will einmal mit der Fernbedienung spielen. Die Minuten verstreichen. Die Vor-und Nachteile der Modelle werden diskutiert, irgendwann streikt die Technik. Der alte Mann liegt in der Horizontalen und nichts geht mehr. Gemeinsam hebt ihn die Sippe aus der misslichen Lage.

Wir überlegen es uns nochmal, lässt man die Verkäuferin wissen. Doch endlich sind wir dran. Wir zeigen ihr den Musterstuhl, sie schaut im Computer nach. Ja, die Stühle sind vorrätig. Wir müssen direkt bei ihr bezahlen. Leider kann sie nicht rausgeben. Bitte kommen Sie mit. An der Hauptkasse versucht sie einen Zehn- Euro-Schein in zwei Fünfer zu wechseln. Geht nicht, im Gartencenter klappt es endlich, wir erhalten die Rechnung und den Hinweis, die Ware im Lager um die Ecke abzuholen.

An der scheunentorgroßen Tür befindet sich neben dem Schild „für Abholer“ ein Klingel. Nach einer Ewigkeit erscheint ein Lagerarbeiter, nimmt unsere Rechnung mit und verspricht gleich mit den Stühlen zurück zu kommen. Leider macht uns ein großer LKW, der vorfährt, einen Strich durch die Rechnung. Der Lagerarbeiter muss erst mal mit seinem Gabelstapler den LKW entladen. Der Laster fährt wieder weg, meine Laune ist nicht mehr die Beste.

Endlich erscheint der Lagerarbeiter wieder mit ein paar Kartons, diese knallt er mir vor die Füße und erklärt mir barsch, dass die leeren Kartons in einem Papiercontainer auf der anderen Seite des Geländes entsorgt werden müssen. Jetzt platzt mir der Kragen: Hören Sie mal zu, wir haben schon mal Stühle in einem anderen Möbelhaus gekauft, da haben die Lagerarbeiter die Ware in meinem Auto kunstvoll verstaut, ich durfte nicht einmal helfen.

Der Mann schaut mich abschätzend von oben bis unten an, meine Frau raunt mir zu, bleib ruhig. Adesso le do una lezione in italiano. Wir verstehen Ihre Sprache recht gut, das ist nicht nötig, versucht Claudia zu vermitteln.

Es funktioniert so, fährt der Mann fort, sie müssen sagen: Verehrter Herr Capomagaziniere, würden Sie mir freundlicherweise beim Auspacken der Kartons helfen. Dann mustert er mich erneut und fragt: Verstanden? Die beste aller Ehefrauen hält mich fest, sie ahnt, dass ich gleich ausrasten werde.
Aber, oh Wunder, er holt die Stühle aus der Verpackung, lädt sie mir in den Kofferraum und marschiert mit stolz geschwellter Brust und der Pappe in Richtung Container.

Endlich weiß ich, wie die Ligurer ticken