Montag, 12. Dezember 2011

Kastanientod: Gallwespen erobern Ligurien

Ein Herbst ohne Kastanien, undenkbar für Ligurer. Doch die traditionellen Calderoste und Castagnate könnten bald Geschichte sein. Ein aus China eingewanderter Parasit zieht übers Land, mit 50 bis 60 Kilometern Bodengewinn pro Jahr. 2002 wurden die ersten
Exemplare im Piemont entdeckt, in der Provinz Cuneo. Ganz Norditalien ist bereits erobert, die Toskana und selbst
Sardinien. Jetzt hat die im „chinesische Wespe“ genannte Plage Ligurien und die Provinz Imperia erreicht.

Die Insekten attackieren die Knospen der Kastanienbäume, die auffallende Verdickungen produzieren, „Gallen“ genannt. Die Entwicklung der Triebe wird dadurch beeinträchtigt, der gesamte Baum geschwächt. Die Blätter vertrocknen frühzeitig und statt der Herbstfärbung zeigt sich ein bräunlichgelber Einheitston. Langfristig sterben die Bäume ab.

Die Folgen sind bereits spürbar. Die wenigen Kastanien, die man findet, sind klein und häufig wurmig. Die Preise für ligurische Kastanien sind deutlich gestiegen, auf bis zu 6 Euro das Kilo, verglichen mit 2 bis 3 Euro je Kilo im letzten Jahr.

Die Larven von Dryocosmus kuriphilus Yasumatsu – so der wissenschaftliche Name der Esskastanie-Gallwepse, wie sie auf Deutsch heißt – haben einen Feind und das macht man sich bei der Bekämpfung zunutze. Torymus sinensis, eine Schlupfwespe, ebenfalls chinesischen Ursprungs, soll in den Wäldern Liguriens mit der Brut des Parasiten aufräumen. Doch das Verfahren ist nicht ganz billig: 20.000 Euro kostet eine Behandlung. Und der Erfolg zeigt sich erst in 5 bis 10 Jahren.

In den Wäldern von Badalucco, Carpasio, Montegrosso Pian Latte und Castelvittorio hat man den Kampf schon aufgenommen, Molini di Triora zieht jetzt nach.