Dienstag, 21. Juni 2011

Braten-raten

Von Eva M. Kahler Machen Sie sich auch auch immer so schrecklich viele Gedanken, wenn Sie Freunde zum Essen einladen? Was könnte ich kochen? Was essen sie gerne? Italienisch oder deutsch? Eine Freundin ißt kein Kaninchen, die andere kein Lamm, die dritte kein Schwein, die vierte keine Zucchini, geschweige denn Knoblauch. Aber ein Festmahl ohne Fleisch? Da wären manche doch enttäuscht. Also fahre ich zum besten {readmorelink}weiterlesen{/readmorelink}

Metzger der Gegend, in die Via Cascione nach Imperia-Porto Maurizio.

Un pollo, per favore.
Man zeigt mir ein kleines Huhn.
Piu grande, piu grande - meine ich.
Ein zweites etwas größeres liegt in der Hand der Metzgerin.
Ancora piu grande, piu grande - sage ich.
Sie wirft die beiden kleinen Hühner ins Schaufenster zurück, schreitet in die Kühlkammer und präsentiert mir stolz einen Riesenvogel. Schon greift sie zum Beil und will ihn in Stück hacken.
No, no, prendo questo pollo cosi, non tagliare.

Was habe ich da nun eigentlich erstanden? Die Nachbarin im Dorf schaut sich den Vogel an und meint "Ah, un tacchino rosso". Ein Truthahn also mit rotem Hinterteil. Und sie hat auch gleich ein Rezept parat:

Dem ausgenommenen Vogel viel Salz und eine klein gehackte Kräutermischung aus Thymian, Basilikum, Petersilie, Minze, Majoran und Salbei in den Bauch reiben, den Truthahn auch außen salzen und pfeffern und mit Ölivenöl einreiben, dann in einer Reine mit wenig Öl jede Seite 15 Minuten anbraten, in der vorgeheizten Bratröhre 1 1/2 Stunden bei nur 90 Grad garen, grob geschnittenes Suppengrün dazulegen und zuletzt noch einmal für 1 Stunde auf 220 Grad Zunder geben (evtl. Truthahn mit Alufolie abdecken, die knusprige Haut soll nicht verbrennen).

Während der Truthahn seiner Bestimmung entgegenbrät, lasse ich meine beste Freundin am Telefon Braten-raten: Ein großes Tier sei in der Röhre. Ein Reh? Ein Wildschwein? Sie kommt nicht drauf.

Die Gäste treffen ein, der Truthahn ist "in punto" gegart und mundet köstlich.
So hatte ich mich unversehens an einen Tacchino gewagt - und gewonnen!