Samstag, 17. Juli 2010

Blutige Spur im ligurischen Hinterland

Wenn es im Sommer unten am Strand brütend heiß ist, wallen in über 1000m Höhe häufig Nebel - ideale Bedingungen für Wölfe, um sich unbemerkt von den Hirten an die Herden anzuschleichen. Die Zahl der "lupi" in den Seealpen wird auf
weniger als ein Dutzend geschätzt und trotzdem sorgen sie immer wieder für Negativ-Schlagzeilen. Gerade wurden auf den Almen oberhalb von Rezzo, keine 15 km Luftlinie von den belebten
Touristenzentren an der Küste entfernt, über dreißig Ziegen und sogar ein Kalb gerissen. Noch ist allerdings nicht abschließend geklärt, ob es sich in diesen Fällen bei den Angreifern wirklich um Wölfe handelte. Über verwilderte Haushunde wird spekuliert.

Die Kustodin des Santuario Madonna Bambina, die keine 100 Meter von der Wallfahrtsstätte entfernt eine Ziegenkäserei betreibt, hatte Anfang September eine denkwürdige Begegnung. Drei Meter von ihr entfernt sprang ein Wolf mitten in ihre Ziegenherde und versetzte diese in Panik. Von drei der Tiere fehlt seither jede Spur.

Die Entschädigungen, die die Provinz zahlt, sind mager und es kann bis zu drei Jahre dauern, bis die Ansprüche geprüft und anerkannt sind. Entschädigungen allein aber lösen das Problem nicht. Die Haltung der legendären Hirtenhunde aus der Maremma, bekannt für ihre Furchtlosigkeit gegenüber Wölfen und Bären, ist heute eher eine Liebhaberei. Ziegen und Schafe müssen also nachts in den Stall oder hinter einen Elektrozaun, um sie vor den Wölfen zu schützen. Frei laufend sind sie eine zu leichte Beute.

Offiziell wurde der letzte Wolf Liguriens 1889 in Rocchetta Nervina erlegt. Jetzt ist er zurück in seinem angestammten Gebiet und uralte Ängste werden wach. Einen historischen Abriss über das Verhältnis der Ligurer zu „canis lupus" finden Sie unter Die Rückkehr des Wolfes