Dienstag, 22. Juni 2010

Peinlich - Vor Sprachfallen wird gewarnt

„Ficki, ficki", der Ruf des Schürzenjägers Giovanni unter ihrem Fenster ließ vor Jahren zwei Urlauberinnen hinter den dicken Mauern ihres Dorfhauses in Isolalunga erstarren. „Du gehst mir da nicht raus", entschied die eine
resolut. Nach ein paar Stunden riskierten sie schließlich einen Blick nach unten, ob die Luft rein sei. Da stand ein Korb voller Feigen vor der Tür, ein Geschenk von Giovanni an die unerreichbaren Angebeteten. Seither wissen die beiden, was Feigen auf Italienisch heißt und wie man es schreibt, nämlich „ficchi". Klingt nur so ähnlich.

Das Italienische steckt voller solcher Fallstricke.
Und wenn man denkt, diesmal liegt man richtig, ist doch wieder alles anders. So ist in der Regel der Obstbaum männlich und die Frucht weiblich: "il melo" ist der Apfelbaum, "la mela" der Apfel. Fieserweise ist bei der Feige sowohl der Baum als auch die Frucht männlich. „Una fica" ist also mitnichten eine Feige, sondern - umgangssprachlich - das weibliche Geschlechtsteil.

Peinlich kann es auch werden, wenn man nur so ungefähr weiß, was „Knie" auf Italienisch heißt, sich aber trotzdem traut, den hinkenden Nachbarn Giuseppe danach zu fragen. Seinen „gnocchi" ginge es prächtig, so die Antwort, aber das Knie mache ihm weiterhin zu schaffen. Seither geht immer ein Lächeln über Guiseppes Gesicht, wenn er die Fragestellerin trifft, die mit dem Wort „ginocchio" heute sehr vorsichtig umgeht.

„Seno di pollo" stand auf dem Einkaufszettel. Zum Glück haben wir im Auto noch mal im Wörterbuch nachgeschaut: Hühnerbusen???? „Petto" muss es heißen, wenn man Brust will.

Fettnäpfe stehen beim italienischen Sprachgebrauch fast überall herum und warten nur darauf, das jemand hineintappt. So begrüßte ein deutscher Gastredner bei der Eröffnung des Musikfestivals in Cervo die Versammelten mit „stimati cervi", „verehrte Hirsche". Die Einwohner von Cervo selbst ziehen es vor, „cervesi" genannt zu werden.

Ein a, e, i oder u an der falschen Stelle kann unvorhergesehene und manchmal eben richtig peinliche Bedeutungswechsel mit sich bringen. Rund 500 der gängisten Stolpersteine hat Gabriella Caiazza in ihrem Buch Sprachfallen, Italienisch: Mit Abschlusstest zusammengetragen.
Zum Glück sehen die Italiener - anders als viele Franzosen - meist großzügig über Unzulänglichkeiten im Umgang mit ihrer Sprache hinweg.