Sonntag, 21. Februar 2010

Die Erdbeben-Katastrophe in Ligurien 1887

Erdbeben sind an der Tagesordnung an der Riviera di Ponente, die meisten so schwach, dass sich nur das Centro Nazionale Terremonti dafür interessiert. Doch die Ligurer wissen: Sie leben gefährlich. Das verheerende Beben von 1887 hat sich ins kollektive Gedächtnis
gebrannt.

Drei Erdstöße zwischen 6,2 und 9 auf der Richterskala hatten am Morgen des 23. Februar 1887 das Gebiet zwischen dem Basso Piemonte und der Riviera di Ponente erschüttert.
234 Gemeinden wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. 700 Menschen verloren ihr Leben, über 1000 wurden verletzt, 100.000 obdachlos.

In Baiardo stürzte die Kirche ein und begrub 220 Gläubige unter sich, die sich zum Aschermittwochsgottesdienst versammelt hatten. Heute wächst Gras aus den Mauern des Kirchenschiffs und der Himmel schaut durchs Dach.

Bussana hatte 50 Opfer zu beklagen und war so schwer zerstört, dass es aufgegeben werden musste. Sieben Jahre lang hausten die Bewohner in Zelten und Baracken in den Ruinen, bis sie begannen, unten an der Via Aurelia ein neues Dorf aufzubauen. Das alte Bussana wird heute von einer kleinen Künstlerkolonie belebt.

Die Statistiken von damals listen Dorf für Dorf Tote und Verletzte, beschädigte und demolierte Gebäude und Schäden von Millionen von Lire auf - und die Einwohnerzahl. Da wird einem erst bewusst, wie entvölkert die Dörfer des Hinterlandes heute sind.

Zwischen 1801 und 1861 war die Bevölkerung in der Region, die heute die Provinz Imperia umfasst, von 30.000 auf 45.000 angewachsen. 150 Jahre später leben dort gerade noch 20.000 Menschen.

Vulkanismus und Erdbeben hängen eng zusammen. Tatsächlich findet man in den Seealpen, auf dem Pizzo d´Ormea und in Carnino (Provinz Cuneo) roten Porphyr, ein sicheres Zeichen für vulkanische Aktivität. Die Region war also schon immer in Bewegung.

Überhaupt ist ganz Italien durch die Verschiebung der Europäischen Platte gegen die Afrikanische extrem Erdbeben gefährdet. Aus gutem Grund muss jeder, der zweistöckig baut, ordentlich mit Eisen armieren. Dass diese Vorschrift nur bedingt nützt, wenn an anderer Stelle gespart wird, konnte man jüngst in Aquila sehen, wo gerade die kürzlich erst hoch gezogenen Gebäude in sich zusammen fielen, wie Kartenhäuser. Ein Phänomen, das man auch schon 1887 beobachten konnte. In Oneglia stürzte damals das Krankenhaus ein, während ältere, solider gebaute Häuser, den Erdstößen stand hielten.