Mittwoch, 10. Juni 2009

Wanderung: Cervo - Villa Faraldi

Blick auf CervoAm Besten lässt man das Auto auf dem Parkplatz am Bahnhof in Cervo stehen, überquert Liguriens Schlagader, die vielbefahrene Via Aurelia,  und schlägt dann den Weg ein hinauf in die Altstadt. In die schattigen Gassen eingetaucht, bleiben Lärm und Hektik schnell
zurück. Verpassen kann man den Wanderweg nach Villa Faraldi kaum. Er ist gutausgeschildert  und ein Stück weit zugleich Pilgerpfad. Wer die richtige Abzweigung nimmt, gelangt irgendwann nach Rom.

Sich rechts haltend verlässt man Cervo und durchquert den Parco del Chiappa im Schatten seiner stattlichen Pinien. Es geht zunächst stetig bergauf. Insgesamt beträgt der Höhenunterschied zwischen Ausgangspunkt und Ziel 350 m. Hat man den Park hinter sich gelassen, schlängelt sich der schattenllose, sandige Weg durch blühende Macchia und bietet einen weiten Panoramablick aufs Meer und bald auch auf die Ebene von Albenga.

Die vielfältige, farbenfrohe Flora macht die Wanderung im Frühsommer besonders reizvoll. Nach dem Beobachtungsturm aus dem Zweiten Weltkrieg folgt man ein Stück weit der antiken Via Julia Augusta, die am Colle Mea mit seinen Sendemasten hinabführt nach Chiappa. Weiter südlich, in località Colle Castellare, liegen Reste einer spätrömischen Siedlung.

Auf der Höhe wendet sich der Weg, der bislang immer parallel zum Meer führte, schließlich landeinwärts. Lange schon sieht man das Ziel vor sich liegen. Kurz bevor man Villa Faraldi erreicht, lohnt sich noch ein Abstecher zu der kleinen Feldkirche San Bernardo (534m), deren Portico früher Wanderern und Hirten mit ihrem Vieh Unterstand bot.

Villa Faraldi ist ein typisches ligurisches Dorf mit einer hübschen Pfarrkirche und - was im Hinterland nicht mehr selbstverständlich ist - Gelegenheiten zu Einkehr und Übernachtung. Das ist nicht zuletzt auf die Tatsache zurückzuführen, dass sich Villa Faraldi mit einem internationalen Kunst-, Musik- und Theaterfestival schmücken kann. Ins Leben gerufen hatte es 1983 der Norweger Fritz Røed, der 30 Jahre lang in Villa Faraldi lebte. Dieses Festival hat dem Dorf den Ruf eines "kleinen Athen inmitten von Olivenhainen" eingebracht und zieht heute Künstler, Bühnen- und Kostümbildner und natürlich Touristen und Zuschauer nicht nur aus Italien, sondern aus der ganzen Welt an.

Die Wanderung ist in drei bis vier Stunden zu bewältigen, je nach Tempo oder Pausen. Gerade im Juni sind plötzliche Gewitter nicht selten. Sonnen- und Regenschutz und angemessenes Schuhwerk sollten ohnehin selbstverständlich sein.

Zurück geht es mit dem Bus, der mehrmals täglich nach San Bartolomeo al Mare fährt. Von der Endhaltestelle führt ein Fußweg von 600m zum Parkplatz am Bahnhof Cervo zurück.