Sonntag, 3. Mai 2009

Wandern auf Liguriens uralten Pfaden

Wanderer unterwegs
Früher war das „Wandern" in Ligurien den Händlern vorbehalten, die auf Saumpfaden über die Berge zogen, um ihre Waren zu verkaufen oder zu tauschen. Das Leben im Hinterland war karg und entbehrungsreich und weitgehend autark. Salz, Stockfisch und alle Eisenwaren kamen von der
Küste herauf. Öl und Wein nahmen den umgekehrten Weg aus den Bergen hinunter in die Städte. Es waren die Männer, die diese beschwerlichen Reisen unternahmen. Für die Frauen blieb der Weg ins Nachbardorf, in das sie geheiratet hatten, oft der einzige Ortswechsel ihres Lebens. Noch vor ein paar Jahrzehnten war es keine Seltenheit, dass alte Frauen in den Bergen das Meer nur als glitzerndes blaues Band am Horizont kannten.

Unter schier unmenschlicher Plackerei hatten die alten Ligurer Pfade mit querliegenden Steinen befestigt und mit Mauern eingefasst. So boten sie den Hufen der Maultiere (daher der Name "mulattiera") und Esel und den genagelten Schuhen der Säumer besseren Halt. Das antike Wegenetz ist noch an vielen Stellen erhalten, wenn auch oft in beklagenswertem Zustand. Über den alten Handelswegen entlang der Flüsse liegt heute Asphalt.

Alle drei großen Wanderwege, die durch die Provinz Imperia  führen folgen zumindest auf Teilstrecken diesen alten Maultierpfaden: Der legendäre Ligurische Höhenwanderweg (Alta Via dei Monti Ligure), der sich von Ventimiglia über 440 km der Ponente durch die Levante bis zur Grenze der Toscana spannt, die Via Alpina, die  von Triest kommend ab Garessio in vier Etappen durch Ligurien an die Grenze Frankreichs und weiter nach Monaco führt und der Sentiero Balcone, der von der italienischen Westgrenze parallel zur Küste nach Cervo verläuft.

Man muss aber nicht unbedingt wochenlang mit Schlaf- und Rucksack von Hütte zu Hütte wandern, um einen Eindruck von der Schönheit der ligurischen Seealpen zu bekommen. Einzelne Etappen der Fernwanderwege lassen sich auch in mehr oder weniger anspruchsvollen Tagestouren bewältigen.