Freitag, 20. März 2009

Kräuter und Gemüse vor der Haustür

Kein Himbeerschlag ist vor uns sicher, und kein Blaubeerhang, mögen uns die Mücken noch so plagen. Für einen Steinpilz werden wir zu Bergziegen, wilder Lavendel entlockt uns Jauchzer des Entzückens ... Wir sind Sammler, keine Frage, besonders die Frauen
unter uns. Dieses genetische Erbe aus der Steinzeit
auszuleben, dafür bietet Ligurien geradezu ideale Voraussetzungen.
Unter den Olivenbäumen sprießt jetzt der wilde Lauch, die blauen Blüten des Borretsch leuchten aus dem frischen Gras, Spitzwegerich und Löwenzahn stehen knackig da, Zitronenmelisse und Fenchel treiben gerade aus und nicht mehr lange, dann kann man wieder die wilden Verwandten des grünen Spargels ernten.

Mit einem Korb selbst gesammelter Küchenkräuter und Gemüsepflanzen heimzukommen, was gibt es Schöneres. Gerade der wilde Lauch, auch Ackerlauch genannt, ist eine willkommene Ergänzung des Speiseplans und äußerst gesund.

Seine Inhaltsstoffe (Ascorbinsäure, Asparagin, Kalium, Linolensäure, Oxalsäure, Pektin, Polyphenole, Saponine, Schwefel, Umbelliferon, Zink ) wirken antibakteriell, harntreibend, krampf- und schleimlösend sowie schweißtreibend. Allium ampeloprasum, so der wissenschaftliche Name der Pflanze, findet Anwendung bei Asthma, Arteriosklerose, Fieber, Magenschmerzen und Scheidenentzündung - Gott bewahre.

Ich verwende ihn ausschließlich in der Küche, und zwar sowohl die Knolle mit ihren Perlzwiebelchen wie das Kraut. Verwechseln kann man den Ackerlauch beim besten Willen nicht: Das zur Familie der Liliengewächse zählende Wildgemüse sieht aus wie herkömmlicher Lauch, nur ist es schlanker. Es riecht - wie Lauch ja auch - in allen Teilen stark nach Zwiebeln und hebt sich mit seiner blaugrünen Farbe deutlich von seiner Umgebung ab. Ernten kann man den Ackerlauch vom Spätherbst bis zum Frühling, wobei die Pflanzen im Frühjahr dank der Niederschläge zarter sind.

Bei allem, was man aus Gottes freier Natur auf den Tisch bringen will, ist Vorsicht geboten. Im Zweifelsfall lieber die Finger davon lassen. Einer muss jedoch der Erste gewesen sein, der den Selbstversuch wagte. Wie sonst hätten unsere Vorfahren herausgefunden, was genießbar ist und was nicht?

Heute kommt man eher aus Experimentierfreudigkeit denn aus Not zu neuen Erkenntnissen. Das von einer Freundin leichthin als „wilder Mangold" identifizierte Gewächs, das ich einer Gemüsesuppe beigemengt hatte, war wohl alles andere als das. Ein paar Stunden nach der Mahlzeit jedenfalls stellten sich Sehstörungen, Schwindelgefühl und Kopfschmerzen ein. Der Tag war im Eimer.