Donnerstag, 22. Januar 2009

Trinkgeldwahn - Wieviel ist angemessen?

Gibt man gar nichts oder zu wenig, gilt man als kleinlicher Spießer, gibt man unangemessen viel, als herablassender Angeber, dazwischen liegt eine Gratwanderung. Die Rede ist vom Trinkgeld. Ein leidiges Thema, immer wieder heiß diskutiert. Viele halten es seit ihrer
ersten Amerika-Reise mit mindestens 15% auf den Rechnungsbetrag, um ja nichts falsch zu machen. Nie wird man den Blick der Kellnerin in dem mexikanischen Restaurant in Santa Fé vergessen, die man mit ein paar Cents abgespeist hatte.

Heute weiß jeder, dass das Trinkgeld in den USA oft der einzige Verdienst des Servicepersonals ist. Das ist aber in Europa ganz anders. Im Gastgewerbe ist in den meisten Ländern das Bedienungsgeld in der Rechnung enthalten, ein Trinkgeld ist also eine freiwillige, einen besonderen Service honorierende Leistung. In Deutschland wird gerne mehr oder weniger großzügig aufgerundet. Im Restaurant haben sich 5 bis 10% eingebürgert. Aber wie hält man es in Italien?


„Servizio compreso" wird in der Gastronomie wörtlich genommen, Trinkgeld ist also eher unüblich, wie unsere Recherchen unter Einheimischen ergaben. War man zufrieden, lässt man allenfalls ein paar Cent-Münzen auf dem Tisch liegen (lasciare una mancia), in einem Restaurant der gehobeneren Klasse ein paar Euro. Enttäuschten Blicken wird man nirgendwo begegnen. Wo man an der Theke bezahlt, findet man häufig einen kleinen Teller oder eine Sparbüchse für den Obolus vor. Im Hotel gibt man gewöhnlich fünf Euro pro Woche für das Zimmermädchen. Auch im Taxi ist Trinkgeld kein Muss, den Betrag aufzurunden ist jedem freigestellt.

Natürlich kann jeder soviel oder so wenig Trinkgeld geben, wie er will. Doch wie sagt der Engländer: „When in Rome, do as the Romans do" (Weilst du in Rom, halte es wie die Römer).

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