Freitag, 26. Dezember 2008

Exportschlager: Olivenbäume im Topf

Wo ich den ersten Olivenbaum im Topf gesehen habe, weiß ich nicht mehr. Bei einem Schwabinger Trend- Floristen wahrscheinlich. Im Kopf aller Mittelmeer-Urlauber spult sich beim Anblick der silberblättrigen Bäumchen offenbar reflexartig ein Erinnerungsprogramm ab und ein Impuls sagt: Kaufen! Weil dem so ist, stehen in den Baumärkten landauf, landab, heute ganze Haine eingetopfter Ölbäume.

Ob ein Olivenbaum wirklich etwas nördlich der Alpen zu suchen hat, ist die eine Frage, die andere ist, ob und wie
lange er in den raueren Gefilden überleben kann. Er muss hinaus ins Freie, das ist klar. Als charaktervoller, zentraler Solitär ist er allein schon wegen seines knorrigen Wuchses ein Blickfang in jedem Garten. Mit zunehmendem Alter wird der Baum immer ausdrucksstärker und robuster und nimmt dann auch einen radikalen Rückschnitt nicht krumm.

Will man nicht jeden Winter den immer schwerer werdenden Kübel ins Haus schleppen müssen, sollte man beim Kauf auf die Sorte achten. An einem geschützten Südhang gepflanzt und vor Ostwind und Staunässe geschützt, übersteht besonders die "Leccino" aus der Toscana Frost relativ problemlos. Selbst in einem sehr harten Winter stirbt nicht der ganze Baum.

Im Haus aber kümmern die Olivenbäume und werfen die Blätter ab. Auch hier überlebt meist ein Teil der Pflanze. Der Mickerling treibt aus der Wurzel wieder aus, aber wirkliche Freude wird man an ihm kaum noch haben.

Dabei sind Olivenbäume eigentlich anspruchslos, auch im Kübel. Knochentrocken und steinhart ist das Bisschen Erde, in dem stattliche Exemplare in Gärtnereien an der Riviera ihr Dasein fristen, und auf einen Käufer warten. Der muss allerdings bereit sein, Hunderte von Euro für die Pflanze selbst und ihren Transport auf einem Tieflader auszugeben. Aber hier steht sie eben im Freien.

Wer sich mit Apfelbäumen auskennt, kann bei einer Olive nichts falsch machen, heißt es. Im Frühjahr gedüngt, im Winter mit Rindenmulch oder Stroh abgedeckt und mäßig, aber regelmäßig gegossen, gedeihen die immergrünen Bäumchen prächtig. Sie lassen sich sogar klaglos in eine dekorative Form schneiden, was natürlich Auswirkungen auf die Ernte hat. Ernte?

Ja, Sie haben richtig gehört. Die Bäume sind selbstbestäubend, ein einzelnes Exemplar kann also durchaus Früchte hervorbringen. Dass es funktioniert, zeigt die nördlichste Olivenanpflanzung Europas in Köln-Widdersdorf. Über 25 Kilo Früchte wurden dort bereits produziert. Den Ölhändler Stephan Marzak, Besitzer einer Ölbaum-Terrasse in Ligurien, hatte es einfach gereizt, herauszufinden, ob Olivenbäume auch im Rheinland überleben können. Sie können.

Heute ist Stephan Marzak stolzer Besitzer von 170 Bäumen der besonders widerstandsfähigen Sorten Taggiasca (Ligurien), Nocellara-del-Belice und Tonda Iblea (Sizilien) sowie Leccino, Olivastra Seggianese, Pendolino, Cannino, Moraiolo und Correggiolo (Toskana und Mittelitalien).

Einmal im Jahr zur Olivenblüte feiert der Visionär ein großes Fest. Zur Herstellung von eigenem Extravergine reicht die Ernte noch nicht. Stephan Marzak: "Wenn alles klappt, dann können wir in rund 3 bis 4 Jahren von einer Ernte von rund 300 kg Oliven ausgehen und dann werden wir definitiv die Ersten sein, die Olivenöl aus rheinischen Oliven produzieren".