Donnerstag, 27. November 2008

Balestrino als Kulisse für "Tintenherz"

Das alte BalestrinoDer Verfall ist allgegenwärtig im mittelalterlichen Balestrino. Türen hängen schief in den Angeln, Mauerkränze rangen wie Zahnruinen in den Himmel, Gras wächst in den Gassen. Ein Plakat von 1978, auf dem des ermordeten Christdemokraten Aldo Moro gedacht wird, liegt noch
in einem der verlassenen Gemäuer, dessen Fenster mit blinden Augen hinunter schauen nach Albenga. Man kann das Verrinnen der Zeit förmlich spüren. 1963 hatten Geologen das alte Dorf für unbewohnbar erklärt und den Exodus der Bewohner eingeleitet. Heute weiß man es besser, doch die Bestrebungen, den Ort wieder zu beleben, sind noch nicht recht in Gang gekommen

Im November 2006 kehrte in den verlassenen Ortsteil zumindest für kurze Zeit wieder Leben ein: Eine Filmcrew hatte in den historischen Mauern von Balstrino Quartier bezogen. Location-Scouts waren zuvor in ganz Ligurien ausgeschwärmt auf der Suche nach dem idealen Schauplatz für die Verfilmung des Jugendbuch-Bestsellers „Tintenherz" von Cornelia Funke.

Nicht von ungefähr hat die Autorin, die Anfang November 2008 in ihrer Wahlheimat Los Angeles das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam, „Tintenherz" in Ligurien angesiedelt. Drei Monate hatte sie in den 90-er-Jahren mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in einem Dorf dort gelebt. „Als ich anfing, Tintenherz zu schreiben, schlich sich dieser Ort als Inspiration zurück. In Ligurien war ich schon immer fasziniert von dem Nebeneinander von mondänem Strandbetrieb und mittelalterlichen Hinterland - von zwei Welten in einer", sagte die Autorin, die weltweit über 10 Millionen Bücher verkauft hat, in einem Interview mit der Literaturagentin Martina Nommel.

Der konkrete Bezug zu den Schauplätzen ihrer Romane ist bei Cornelia Funke immer gegeben, sei es in „Drachenreiter" , „Der Herr der Diebe" , bei den „Wilden Hühnern" oder eben in „Tintenherz": „Ich glaube einfach, dass unsere Fantasie nicht reicht, um sich einen vollkommen erdachten Ort auszudenken. Ich glaube, dass der fiktive Ort immer etwas fleischlos ist."