Mittwoch, 29. Oktober 2008

Monumentalfriedhof Staglieno in Genua

Halloween, der Gruselimport aus dem Festtagskalender Amerikas, hat auch in Italien Fuß gefasst. Ausgehöhlte Kürbisse, Hexen, Geister und Skelette allerorten. Noch nichts vor am Wochenende zum 1. November? Warum nicht stilecht auf den Friedhof gehen? Tripadvisor, die weltweit größte Reise-Community im
Internet, hat 2009 die Top 10 unter den Gräberfeldern der Welt ermittelt. Auf Platz 7: der Monumentalfriedhof Staglieno in Genua, den man schon fast als Freilichtmuseum bezeichnen kann, so viele Denkmäler verschiedener historischer Baustile erwarten die Besucher.

Der Eindruck ist überwältigen. Entlegene Teile der Anlage aus dem frühen 19. Jahrhundert sind weitgehend sich selbst überlassen, die Gräber in Schieflage geraten und überwuchert. Kunst und Kitsch sind hier einträchtige Nachbarn.

In Staglieno wurden einige Berühmtheiten zu Grabe getragen, so zum Beispiel der italienische Demokrat und Freiheitskämpfer Giuseppe Mazzini, der Popsänger und Autor Fabrizio De André sowie die Ehefrau von Oscar Wilde, doch das ist eigentlich nebensächlich. Man kann Tage dort verbringen, den englischen, jüdischen und protestantischen Teil des Gottesackers durchstreifen und immer neue Entdeckungen machen. Der Gegensatz zum vollklimatisierten, klassisch beschallten Urnentempel von heute, mit seinen genormten Blumenvasen könnte nicht krasser sein.

Staglieno ist bequem vom Hauptbahnhof in Genua aus mit der Buslinie 34 zu erreichen. Man sollte gut zu Fuß sein, denn die Anlage ist weitläufig und das Gelände steigt teilweise steil an. Dass einer der Wege hinauf direkt am Schornstein des Krematoriums vorbeiführt, vor dem die Särge in der  Warteschleife stehen, ist schon etwas makaber.

Auch die anderen Friedhöfe auf der Tripadvisor-Hitliste sind sicher einen Besuch wert:
  1. Highgate Cemetery in London. Auf den mit  mit gotischen Grabmälern und Bauwerken reich bestückten Friedhof finden sich die Gräber vieler bekannter Persönlichkeiten, wie etwa das des deutschen Philosophen Karl Marx.
  2. Cimetière du Père-Lachaise in Paris. Hier fanden Rock-Legende Jim Morrison, die französische Chanson-Sängerin Edith Piaf sowie der irische Autor Oscar Wilde ihre letzte Ruhestätte.
  3. Der Alte Jüdische Friedhof in Prag, angelegt im 15. Jahrhundert. Weil der Friedhof in den engen Grenzen des jüdischen Viertels bleiben musste, begrub man die Verstorbenen aus Platzmangel in bis zu zwölf Schichten.
  4. Der Protestantische Friedhof in Rom, eine stille Oase inmitten der lauten Ewigen Stadt. Die englischen Dichter Percy Bysshe Shelley und John Keats ruhen hier.
  5. Den Wiener Zentralfriedhof, zweitgrößte Friedhofsanlage Europas, ist Pilgerstätte für Musikliebhaber aus aller Welt, denn hier finden sich die Gräber von Beethoven, Schubert, Brahms und Strauß.
  6. Die Katakomben in Rom.
  7. Staglieno in Genua (siehe oben)
  8. Montjuïc Friedhof in Barcelona, letzte Ruhestätte von Joan Miró.
  9. Cimetière de Montparnasse in Paris, 1824 aus mehreren alten Höfen und einer Mühle zusammengelegt. Die Gräber französischer Künstler und Intellektueller können hier besucht werden, darunter Charles Baudelaire, Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir.
  10. Südfriedhof in Leipzig, in unmittelbarer Nähe des Völkerschlachtdenkmals. Mit rund 10.000 Rhododendronbüschen, vielen seltenen Baumarten und historischen Denkmälern ist er einer der größten und schönsten parkähnlichen Friedhöfe Deutschlands.