Mittwoch, 13. August 2008

Wem gehört der Strand?

Es gibt viele Möglichkeiten, den Zugang zum Meer zu versperren: Gitter, Tore, Holzpalletten ... Die Barrikaden haben eines gemeinsam: Sie sind illegal. Denn per Gesetz darf in Italien der Allgemeinheit der Zugang zum Meer nicht verweigert werden, auch nicht, wenn er über
Privatgrund führt, vorausgesetzt es gibt keinen anderen Weg, um einen bestimmten Strandabschnitt zu erreichen. Das gilt auch für die "Bagni". Klammheimlich aber haben die Betreiber von Strandbädern und Restaurants das Meer privatisiert und die Allgemeinheit ausgesperrt. Nur 10 von 53 Bagni lassen zwischen Friaul Julisch-Venetien und Ligurien noch den Zugang zum Meer für jedermann frei.

Die öffentliche Hand hat sich schon lange aus der Verantwortung für den Meeressaum verabschiedet und die Küstenlinie verpachtet. Ein gutes Geschäft, allerdings nur für die Betreiber. Für 10.000 m² Sandstrand zahlen die Konzessionäre im Schnitt 850 Euro im Monat. 2005 hat der Staat auf diesem Weg 40 Millionen Euro eingenommen, die Betreiber aber 2 Milliarden erwirtschaftet, wie Legambiente berichtet.

So ein Strand macht ja auch viel Arbeit und verursacht jede Menge Kosten, argumentieren die Pächter: Ablagerungen der Posidonia-Alge müssen entfernt, der Sand gerecht und zum Teil neu herbeigeschafft, Duschen und Toiletten betrieben, behindertengerechte Zufahrten gewährleistet, Parkplätze bereit gestellt und für Sicherheit und Sauberkeit gesorgt werden.

Wer sehenden Auges durchs Land fährt, dem ist die Enwicklung nicht verborgen geblieben. Die Zahlen sind erschreckend: In Ligurien sind von 135 Strandkilometern nur 19 frei, d. h. kostenlos zugänglich. In der Emilia Romagna sind 80 von 104 Kilometer von privaten Strandbädern besetzt. In Lazio, Abruzzo, Calabria und der Basilicata sowie in der Toscana sind die Hälfte der Strände mit Liegen und Sonnenschirmen gepflastert.

Lediglich in Campania stehen 130 Strandkilometer, die frei zugänglich sind, 80 Kilometer mit "stabilimenti" gegenüber und in Apulien erreicht der Anteil der freien Strände sogar 75%. Nur auf Sizilien und Sardinien sind Strände ohne Abgaben noch quasi die Norm.

Diese Zustände werden jede Saison aufs Neue von den "Verdi", "Legambiente" und engagierten Bürgern angeprangert, ändern dürfte sich kaum etwas. Es ist zuviel Geld im Spiel und von dem wollen viele etwas ab haben. Diesen Sommer brannten in Sanremo einige der Bretterbuden am Strand. Ein Kurzschluss wird´s wohl nicht jedesmal gewesen sein.