Dienstag, 19. August 2008

Wald- und Buschbrände in Ligurien

Nach lodernden Flammen bei Lingueglietta, brennender Macchia an den Hängen von Cipressa, Buschfeuern bei San Lorenzo, Boscomare sowie Pietrabruna, kam
jetzt Dolcedo dran. Feuerwehr und Forstschutz waren pausenlos im Einsatz, doch erst gegen 17 Uhr konnten die Einsatzkräfte das Feuer unter Kontrolle bringen. Schon am 6. August war für die Provinz Imperia die höchste Waldbrand-Gefährdungsstufe ausgerufen worden.

Solange dieser Notstand gilt, ist offenes Feuer jeglicher Art in oder nahe bewaldeten Gebieten strengstens verboten, sowie der Gebrauch von elektrischen Geräten oder Motoren untersagt, die Funken auslösen können. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber immer wieder kommt es durch Leichtsinn zu verheerenden Bränden, die auch mal auf bewohnte Areale übergreifen und Menschen gefährden.

Frühaufsteher kennen die Rauchsäulen, die beim ersten Tageslicht von den bewirtschafteten Terrassen in den Himmel steigen. Den angefallenen Abfall und Baumschnitt zu verbrennen hat bei den Kleinbauern und Gärtnern Liguriens Tradition. Manchmal gehen die "contadini" auch recht sorglos mit dem Feuer um. Doch die Ursachen für die großflächige Zerstörung der Landschaft liegen anderswo.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Wälder von Griechenland bis Spanien nur in den seltensten Fällen durch Selbstentzündung in Flammen auf gehen. Spekulanten helfen gerne mal ein bisschen nach, um Wald in Bauland zu verwandeln. Dabei hat Italien eines der schärfsten Gesetze in der EU: Brandstiftern drohen langjährige Haftstrafen, abgebrannte Flächen dürfen nicht bebaut und für mindestens zehn Jahre keiner neuen Nutzung zugeführt werden.

Doch wie so oft liegt es an der laxen Handhabung der Gesetze, dass Brandstifter fast immer ungeschoren davon kommen. Wie der österreichische Standard schreibt, wurden in Italien seit 2000 insgesamt 2700 mutmaßliche Brandstifter angezeigt und mehr als 100 festgenommen, doch nur sechs verurteilt. Auch dass die meisten Gemeinden es versäumen, die abgefackelten Flächen im Kataster ein zu tragen, untergräbt das Gesetz. Inzwischen hat sich den Spekulanten ohnehin ein neues, nicht minder lukratives Feld eröffnet: die Wiederaufforstung. Seit der Staat Neupflanzungen massiv fördert, brennt es in Italien immer öfter auch in abgelegeneren, meerfernen Ecken. Diese Entwicklung wird auch vor Ligurien nicht Halt machen.

Die Zahl der Waldbrände ist in Ligurien zwischen 2002 und 2006 um 50% gesunken, doch jedes Jahr brennen im Schnitt immer noch 3564 Hektar. Die positive Grundtendenz setzte sich auch 2007 fort. In diesem klimatisch schwierigen Jahr wurden nur noch 384 Brände registriert, verglichen zu 475 im Fünfjahresmittel zuvor. Es scheint weniger attraktiv geworden zu sein, eine Lunte zu legen.

Zu verdanken ist dieser Erfolg aber auch dem schnellen Eingreifen der vielen Freiwilligen des "Volontariato di Antincendio Boschivo" und des Zivilschutzes sowie den vier Lösch-Helikoptern. Jetzt fliegen sie wieder.