Montag, 3. März 2008

Katzenlos: Zwischen Völlerei und Darben

Katze ganz entspanntSie ist eine Schlaue, die "Parkplatzwächterin" von Isolalunga. Sommers ruht sie im Schatten der Autos, in der kalten Jahreszeit wärmt sie sich auf den Motorhauben; und gleich neben dran stehen die gut gefüllten
Müllcontainer. So hat sie sich dem ewigen Kreislauf von fetten und mageren Zeiten entzogen: im Sommer der Vollfütterung durch die vielen netten Touristen, im Winter dem Darben, wenn die Dosenöffner ausbleiben.

Doch von jedem der aus- oder einsteigt, bekommt sie ihre Streicheleinheit und manchmal auch eine besondere Leckerei. Anders leben ihre vielen Brüder und Schwestern, gegen die sie ihren Platz verbissen verteidigt, die streunen als struppige Gesellen durch die Gassen, liegen auf den Türschwellen der verwaisten Häusern in der Sonne oder suchen Schutz in den verfallenen Gemäuern. Sie müssen es nehmen, wie es kommt.

Der anerkannte Hauskater hat es da besser. "Strudel" ist so einer. Sein Revier erstreckt sich vom Dorf zu bis zu uns hinauf und weiter in die Olivenhaine. Er marschiert laut vor sich hinmaunzend durchs Gelände, wird er eines Menschen ansichtig, mutiert er zum virtuosen Erzähler, der auf jedes Wort eine Antwort weiß - ein sprechender Kater.

Die erste Bekanntschaft mit den Katzen Liguriens machten wir noch während der Bauzeit unseres Hauses: Es war ein Tiger, das Fell steinfarben, und die Haltung durch und durch vornehm. Sein Kommen blieb unbemerkt, bis man sich plötzlich beobachtet fühlte. Er hatte sich in der Nähe niedergesetzt, den Schwanz manierlich um die Vorderpfoten gelegt, schaute eine gute Weile und verschwand wieder. Natürlich wurde Katzenfutter eingekauft und bei seinem nächsten Besuch angeboten. Erst wenn man sich vom Futterteller entfernt hatte, trat er herbei, ließ sich nieder, fraß in aller Ruhe, putzte sich, beobachtete noch eine zeitlang das Treiben im Garten und zog weiter.

Wir haben ihm nie einen richtigen Namen gegeben – der damals recht häufige Abschied wäre uns noch schwerer gefallen... So hieß er nur „der kleine Kater“. Und jedes Mal, wenn wir wieder eintrafen, dauerte es keine drei Tage, bis er sich einfand. Schon nach einem Jahr kam er in Gesellschaft einer grauweißen Katze, ließ ihr den Vortritt beim Fressen Seelchenund führte sie so an der Futterstelle ein. Sie wurde unser „Seelchen“. Beide gibt es nicht mehr: Er hat nach sechs Jahren sein Kommen eingestellt, sie wurde zwei Jahre später mit ihren Jungen Opfer eines Dachses.

„Schleicher“, der „Ganove“ und der „Schöne“ nahmen ihren Platz ein, konnten uns aber lange nicht über den Verlust hinweg trösten. Das Katzenleben in den Tälern und Dörfern ringsum währt oft nur zwei, drei Jahre. Unter den Katern grassiert eine ansteckende Immunschwäche-Krankheit; Katzenschnupfen, Parasitenbefall und Katzenlähmung bewirken ein übriges.

Vor drei Jahren folgte eine Katzenmutter – sie war bereits wieder rollig – ihrem Instinkt und brachte ihre Jungen in ein sicheres menschliches Zuhause, bevor sie sich in neue Liebesabenteuer stürzte. Ihre vier „Waisen“ wurden einen Sommer lang in der Mühle nebenan gefüttert, entwurmt, geimpft – und geliebt. Dann kam der November und mit ihm der Tag der Abreise des Pflegepersonals. Was tun? Der Spezialist für Trockenmauern, der viel in der Gegend zu tun hat, wurde auserkoren, das Quartett während der Wintermonate gegen ein Entgeld zu versorgen.

Trotzdem war im nächsten Frühjahr das Verschwinden eines der Kater zu beklagen. Mit den beiden Schwestern ging’s zum Tierarzt. Ohne dessen hilfreichen Eingriff hätte sich das Katzenvolk in kürzester Zeit unüberschaubar vermehrt. So aber erfreuen sich "Söckl", "Trine" und "Max" bis heute bei Vollpension eines freien, ligurischen Katzendaseins ohne Verpflichtungen.          cm