Sonntag, 10. Februar 2008

Infektion mit dem Ligurien-Virus

StrandlebenDie Infektion mit dem Virus verläuft fast immer gleich: Man mietet ein schmales Dorfhaus mit drei Stockwerken und schwindelerregend steilen Treppen und trinkt in den
warmen Nächte auf der Terrazza zuviel Wein.

„Horst, bring doch noch´ne Gabel mit“ - man spricht Deutsch, oft gleich nebenan. Ach, la vita ist ja so bella ... Die Liegestuhlbatterien und Umkleiden der „bagni“ überlässt man den Hiesigen aus dem nahen Mailand oder Turin, man selbst frequentiert stattdessen die freien Strände und windet sich umständlich unter dem Handtuch aus den Kleidern.

Doch am schönsten ist es im Hinterland, das man praktisch für sich alleine hat. Wandern ist scheinbar nicht italienische Art. Je näher das Ende der Ferien rückt, desto häufiger ertappt man sich jetzt dabei, die Aushänge der Immobilienmakler zu studieren.

Der an absurde Grundstückspreise gewöhnte Deutsche beginnt zu rechnen. Der Virus hat sich eingenistet, mögen die von der Toscana-Fraktion daheim auch die Nase rümpfen. Hat man schließlich sein Traum-Objekt gefunden – das ist eine andere Geschichte – entwickelt sich das volle Krankheitsbild der "Ligurieritis".

Man wird von Enzo, dem Holzhändler gegrüßt und ist stolz wie Oscar, obwohl sein „quintale“ jedes Jahr ein bisschen weniger wiegt und dabei ein bisschen teurer ist. Man holt seinen Wein beim Bauern und versucht vergebens, ihn für ein Verbot der Singvogeljagd zu begeistern. Das beste Olio macht Elio - man kennt sich aus, man gehört dazu.

Erst viele Jahre später, wenn die Kinder endlich mal woanders hinwollen, oder das Haus zu groß und Gassen und Treppen zu steil geworden sind, kehrt man bedauernd der Blumenriviera den Rücken. Doch Neuinfektionen von Nordländern sind immer noch an der Tagesordnung und so wird man hoffentlich irgendwann sein Casa in liebevolle Hände geben können.

Wenn Sie selbst von dem Virus befallen sind, oder auch vielleicht inzwischen davon geheilt, schreiben Sie uns unter redaktion@mondoligure.com. Uns interessiert, wann und wie Sie nach Ligurien kamen und warum Sie immer noch da sind, oder weggegangen sind.