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radlweg2.jpgPISTA CICLABILE Auf dem ligurischen Küstenradweg

Graffiti, rußgeschwärzte Hinterhoffassaden, finstere Tunnels, Industriebrachen ... Was kann man aus einer aufgelassenen Bahntrasse machen? Den schönsten Radlweg am Mittelmeer! Zwischen San Lorenzo al Mare und Sanremo ist die „pista ciclabile"  schon Wirklichkeit.

Bis zur 150-Jahrfeier der Einheit Italiens im Jahr 2011 soll der 75 km lange Küstenradweg zwischen Ospedaletti und Finale Ligure durchgängig befahrbar sein.

Einheimische und Touristen radlerin.jpggleichermaßen haben die dreispurige Rad- und Fußgängerpiste längst erobert. Und nicht nur diese. Scooter- und Motorradfahrer nutzen die Piste nächtens gerne als Rennstrecke, zum Leidwesen von Flaneuren und Behörden. Eine Videoüberwachung gibt es nicht. In Sanremo patrouilliert allerdings eine Polizeistreife  - im Elektromobil. Tagsüber sind auf dem Radweg Spaziergänger - auch manch einer mit Hund, Mütter mit Kinderwagen, Skater, Jogger, Radler und bunt gewandete Rennfahrer unterwegs, in einträchtigem Neben- und Miteinander.

Überhaupt scheint das Radeln als Solches hierzulande neue Freunde gewonnen zu haben. Waren es früher nur die sich diversen Rennställen auch äußerlich anverwandt fühlenden, tief über den Lenker gebeugt keuchenden Büroangestellten mit dünnen Waden, die den Verkehr aufhielten, ist es heute Jedermann, im Alltagsstaat und sich durch die aufrechte Haltung als gewöhnlicher und äußerst sterblicher Verkehrsteilnehmer ausweisend.

Begibt man sich auf die Radlpiste, sollte man eine Kopfbedeckung dabei haben und Sonnencreme, denn es gibt unterwegs wenig Schatten, dazu eine Flasche Wasser und vielleicht eine Jacke für die drei Tunneldurchfahrten. Im Sommer natürlich auch Badezeug. Und wenn man am Tag vorher schon die Räder bestellt hat und nicht mit dem, was gerade noch übrig ist, vorlieb nehmen muss, steht einem gelungenen Ausflug nichts mehr im Wege.

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Erschöpfendere Auskunft - auch auf Deutsch - will künftig die Website www.pistaciclabile.com geben. Im Moment bietet sie  - auf Italienisch - eine ausführliche Beschreibung aller Etappen bis Sanremo und Wissenswertes rund um die Strecke. Am Teilstück von Sanremo nach Ospedaletti wird noch gearbeitet. Es sollte am 1. September 2009 eingeweiht werden - es wird wohl eher 2010 werden.

Gleich hinter San Lorenzo verschwindet der Radweg für 1500 m im längsten Tunnel der Strecke, der gut ausgeleuchtet und - wie die gesamte Strecke - mit SOS-Meldern am Wegrand ausgestattet ist. Müssen wir uns fürchten, wenn wir hier durchfahren? In der eisigen Röhre legt man jetzt, Ende April, ohnehin unwillkürlich einen Zahn zu. Ein paar Tausend Jahre noch und die schönsten Stalaktiten werden von der Decke hängen, so wie das Wasser heruntertropft. Champignons würden sicher auch gut gedeihen, hier drinnen. Einstweilen testen die Radler das Echo im Tunnel.

Zurück ans Licht und ins Leben gekehrt, geht es auf dem edlen sandfarbenen Belag eben dahin, vorbei an Agaven und Oleandern, frischen Rosmarin- und Lavendelpflanzungen und Feldern mit buntem Ziermohn. Die verwilderten Artischoken rechts oder links des Weges tragen schon faustgroße Früchte. Und wenn man einen so herrlichen Tag wie wir erwischt, die dicken weißen Wolken gemächlich über den frühlingsblauen Himmel ziehen und ihre Schatten aufs Wasser werfen, kann man die Augen vom bewegten Meer kaum abwenden.

biker.jpgDirekt neben der Piste gibt es in Santo Stefano, in Arma und in Sanremo mehrere Radverleiher: Noleggio Bici. Die Räder sind alle gut in Schuss, das Geschäft ist schließlich noch neu. Nicht jedes Radl hat eine Klingel und Beleuchtung ist eher selten. Aber schließlich sollten die Räder vor Dunkelheit wieder im Stall sein. Kindersitze und Fahrradkörbe muss man vorbestellen. Elio Sport in San Lorenzo vermietet auch Tandems.

hafensanremo.jpgNach abwechslungsreichen 18,3 km, mal direkt am Meer entlang, mal durch Gartenbrachen oder die charmanten Rückansichten von Küstenstädtchen, die ehedem im Zugfenster vorbeisausten - wie die Bewohner sich freuen müssen über die Entschleunigung - endet der Radweg am Hafen in Sanremo. Ungeübte werden jetzt schon ihren Allerwertesten spüren (unsere Sättel waren, mit Verlaub, mörderisch) und dem Rückweg mit gemischten Gefühlen entgegen sehen.

Die Strecke kann auch in Etappen zurückgelegt werden - oder gar zu Fuß!


Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 05. September 2009 um 11:50 Uhr