Mittwoch, 16. Dezember 2015

Zwangsmaßnahme gegen Schwarzseher

Nach der Immobiliensteuer IMU ist die Fernsehgebühr (Canone Rai) die meist gehasste Abgabe in Italien – und die, die am Häufigsten umgangen wird. Vergleicht man die Anzahl der Haushalte mit der Anzahl der Rai-Abbonenten, kommt man auf
durchschnittlich 30% Schwarzseher. In Neapel zahlen sogar 62% der Familien keine  Fernsehgebühren.

In der Provinz Imperia ist die Gemeinde Triora bei den schwarzen Schafen Spitzenreiter. Jeder Zweite zahlt nicht. (eine interaktive Karte der schwarzen und weißen Schafe finden Sie hier). Dabei sind die Italiener im europäischen Vergleich mit 120 Euro pro Jahr für den TV-Empfang noch gut bedient.

Mit einer Zwangsmaßnahme soll dem Schwarzsehen jetzt ein Riegel vorgeschoben werden Ab 2016 wird die TV-Gebühr auf 100 Euro gesenkt und zusammen mit dem Strom eingetrieben. Alle zwei Monate sind dann mit der Enel-Rechnung  16,66 Euro für den Fernsehempfang der Rai fällig. Nur wer glaubhaft versichern kann, kein Fernsehgerät oder Radio zu besitzen, wird vom Canone Rai befreit.

Diese Maßnahme gilt aber nur für den ersten Wohnsitz. Die ausländischen Ferienhausbesitzer, die sich in ihrer Gemeinde angemeldet haben, werden also kalt erwischt. Für die Mehrheit, die brav IMU berappt und bei Enel den teuren Nonresidente-Aufschlag zahlt, bleibt alles beim Alten.

Man rechnet durch diese Maßnahme mit 500 Millionen Euro Mehreinnahmen im Jahr. Die kommen aber mitnichten dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen zugute, sondernd sollen im Rahmen des Stabilitätsgesetzes von 2014 helfen, die Steuerlast auf anderen Gebieten zu senken.

Das will weder die Movimento Cinque Stelle noch die Pdl so einfach hinnehmen.

Kommentare:

  1. Wir haben eine Ferienwohnung in Imperia. Wir sind hier nicht angemeldet. Wir bezahlen IMU. Unser Stromlieferant ist Enel, Tarif nonresidente. Eigentlich alle Voraussetzungen, um keine TV-Gebühr zu bezahlen.

    In der Enel-Abrechnung vom Juli 2016 ist entgegen dem o.g. Artikel ein Betrag von 70 Euro TV-Gebühr für das erste Halbjahr berechnet. Ergibt eine Jahressumme von 140 Euro.

    Ob es sich hier um ein Versehen von Enel handelt?

    M. Makupa

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    1. So war der noch einigermaßen verworrene Stand der Dinge, Ende 2015. Inzwischen ist klar: Jeder Ferienhausbesitzer wird herangezogen, es sei denn, er bezahlt bereits die TV-Gebühr für eine andere Immobilie oder hat nachweislich kein Fernsehgerät, was es ja auch geben soll. In letzterem Fall kann man sich per Formular befreien lassen. Daß Sie im Ausland leben, vielleicht RAI in ihrem Ferienhaus gar nicht empfangen können oder des Italienischen nicht mächtig sind, weshalb RAI für Sie von keinem Nutzen ist: Egal. Ich fürchte, Sie müssen in den sauren Apfel beißen und zahlen - wie die allermeisten von uns Ferienhausbesitzern

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