Samstag, 26. September 2015

Ausflugstipp: Imperia - Marseille

Marseille! Mal wieder raus, Urlaub vom Urlaub sozusagen. Und dabei elegant den Geburtstagsstress umschiffen. Umweltverträglich mit dem Zug, so unsere Vorstellung. Natürlich sind wir mit der Planung wieder recht spät dran. Der Thello fährt direkt von Imperia nach Marseille,
ohne Umsteigen, leider kommt er erst nach 23 Uhr an. Vom Bahnhof ins Bett? Nein, danke.

Die Verbindung Thello / TGV dauert zwar eine halbe Stunde länger, brächte uns aber schon gegen 15 Uhr ans Ziel. Bei trenitalia komme ich online nur bis Nizza. Die Buchung des TGV von dort nach Marseille wird hartnäckig verweigert. Also auf zum Bahnhof in Porto Maurizio. Doch auch am Schalter kann man dieses Teilstück der Strecke nicht buchen. Mi dispiace, nur im Reisebüro. Das hat mittlerweile aber zu. Also doch mit dem Auto fahren? Leider ist unser eigenes Fahrzeug gerade mit einem Getriebeschaden in der Werkstatt und wir kurven mit einem kleinen Ersatzwagen durch die Gegend. Ob wir den auch ins Ausland mitnehmen dürfen? Wir dürfen. Das Navi weiß Bescheid, wo´s hingehen soll und beharrt dickköpfig auf der einmal errechneten Route. Der Abstecher nach Saint Maximin – wegen der Basilika - will  hart erkämpft sein.

Einmal in Marseille angekommen, verschwindet das Auto für zwei Tage im Parkhaus (30 Euro) am Rathaus und wir beziehen im Le Couvent, einem aufgelassenen Konvent, Quartier, direkt am Rande des Viertels Le Panier. Von dem alten Gemäuer ist innen nicht mehr viel übriggeblieben, aber die Suiten sind geschmackvoll ausgestattet und alles ist neu, neu, neu. Keine abgeschubberten Ecken, keine schimmeligen Silikonfugen, keine durchgelegenen Betten. Doch was ist das für ein Geruch im Treppenhaus? Die frische Farbe? Es ist der Duft von Lavendel,  der sich auch in den Toiletteartikeln im Bad wiederfindet. Überhaupt ist Marseille die Stadt des Lavendels und der Kernseife auf Olivenölbasis, die man an allen Ecken und Enden der Stadt kaufen kann.

Zwei Tage sind für Marseille natürlich viel zu kurz. Aber ausreichend für einen Besuch im MuCEM, einen ausgedehnten Bummel durch die Altstadtgassen von Le Panier und zum Hafen, beides gleich um die Ecke und eine Bootsfahrt nach L´Estaque, das man aber getrost vergessen kann. Das ehemalige Fischerdorf, wo einst Maler wie Braque und Cézanne Inspiration fanden,  macht heute einen heruntergekommenen Eindruck und die Chemin des Peintres ist eine öde, hohle Gasse zwischen zementverputzen Mauern, die alsbald in eine vielbefahrene Straße mündet. Aber der Blick von L´Estaque aufs Meer und die vorgelagerten Inseln ist zauberhaft und Marseille vom Wasser aus zu sehen, war die Reise wert. Diesen Blick kann man aber auch bei einem Ausflug zum Chateau d`If genießen.

Das Musée des civilisations de l`Europe et de la Mediterranée (MuCEM) ist architektonisch ein echter Hingucker und die Verbindungen mit den beiden Festungen vor der Hafenanlage sehr gelungen, konzeptionell aber bleibt es eine Sammeltasse, wie schon der Name vermuten lässt. Das aufgeschüttete Areal, auf dem das Museum steht, ist von Wasser umgeben und dient der Stadtjugend als Badeanstalt. Überall gibt es Bänke und lausche Plätze zum Innehalten und auf der großen Dachterrasse ein Café ohne Konsumzwang.

Das Altstadtviertel Le Panier ist nahezu autofrei. Sich zwischen den Tischen und Stühlen der zahlreichen Cafés und Bistros einen Weg zu bahnen ist manchmal gar nicht so einfach. Wir haben im Le Clan des Cigales vorzüglich gegessen, alles bio, auch der Wein. Zu empfehlen: Das Aioli des Chefs. Leider nur mittags geöffnet, sonst wären wir noch mal wiedergekommen. Im Le Coeur du Panier  hat uns abends das Lamm geschmeckt, auch das Tartar am Nebentisch sah gut aus. Unbedingt vorbestellt, denn es gibt nur wenige Tische draußen. Noch ist das Quartier sehr authentisch, einschließlich der Ratten, die zu später Stunde die Gassen durchstöbern. Gefürchtet haben wir uns übrigens nie.

Le Panier mit seinen malerischen Winkeln und seiner Nähe zum Alten Hafen dürfte wohl bald der Gentrifizierung anheimfallen. Unsere Bleibe ist dafür der beste Beleg.

Marseille hat natürlich noch viel mehr zu bieten, etwa die Calanques, aber man kann ja wiederkommen - dann vielleicht wirklich mit dem Zug.

1 Kommentar:

  1. Für alle, die die Zugreise nach Marseille bevorzugen: die Fahrkarten für die französische Bahn sind online über www.sncf.com zu erhalten. Also: bei der ital. Bahn (FS)Imperia - Ventimiglia und bei der franz. Bahn Ventimiglia - Nizza und dann den TGV bis nach Marseille lösen. Das funktioniert, wir haben es schon ausprobiert. R.H.

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