Donnerstag, 22. August 2013

Ligurien im August

Von Calabrone Jetzt beginnt sie wieder, die Jahreszeit, die wir so lieben, die Ferienzeit. Hektisch räumen Einheimische ihre Behausungen, welche außer den engsten Verwandten noch nie jemand betreten hat, ziehen mit Kind und Kegel in die Garage, oder campieren in einer schiefen Hütte in der Campagna. Das eigene Haus oder die Wohnung wird für viel Geld an Urlauber vermietet, die in der Hauptsaison diese so richtig zur Kasse gebeten werden. Die Uhren gehen jetzt anders...

Bis weit nach Mitternacht schallt das Gejohle der Kids und Halbwüchsigen vielsprachig vom Bolzplatz durch das Dorf. Tagsüber scheint der Ort im Tiefschlaf zu liegen. Am Meer sucht man meist vergebens nach einem freien Parkplatz und abends im Dorf erst recht. Die Betreiberin des Alimentari hat zusätzliches Personal engagiert, es gibt keinen Grund mehr zu jammern, die Geschäfte laufen bestens.

In den Supermärkten sind die Gänge mit überladenen Einkaufswagen zugeparkt und Männer mit freiem Oberkörper streiten um die größten Wassermelonen. Die Trophäen werden dann fachgerecht auf dem Gepäckträger des verrosteten Kinderfahrrades verzurrt, um sie dann stolz der Großfamilie am Strand zu präsentieren. Wohlhabende Leute aus Mailand, die“ Milanesen“, haben natürlich einen Liegeplatz für ihr Boot im nahen Hafen. Dort sieht man dann morgens die Segler, aufgereiht wie Perlen auf der Schnur, wie sie aus dem Hafen tuckern, um wenige hundert Meter weiter den Anker fallen zu lassen. Ein bisschen wie Schrebergartenkultur auf dem Meer. Abends dann das gleiche Spektakel, nur umgekehrt. Boote mit denen man mühelos Porquerolles oder Korsika erreichen könnte fristen ihr Dasein als Wassercamper.

An der Kasse im Supermarkt muss ich schwer an mich halten. Leute, die offensichtlich keine Münze für den Einkaufswagen zur Hand hatten, schleppen in Kartons und Tüten Berge von Getränken und Lebensmitteln an. Die beste aller Ehefrauen lässt sich von ihren flehenden Blicken erweichen: Sie dürfen vor ihr die Waren auf das Förderband stapeln.

Dann stellt sich heraus, dass sie noch was vergessen haben, oder die Wassermelone nicht gewogen wurde. Nach endlosen Minuten sind sie wieder da, verstauen mit südländischer Gelassenheit ihre Sachen, suchen endlos nach der Kreditkarte, um sodann von der Kassiererin zu erfahren, dass die Carta nicht funktioniert. Bis dann jemand vom Personal den Storno gemacht und die Waren wieder zurückgebracht hat, vergehen gefühlte Stunden.

Mittlerweile bin ich auf Hundertachzig. „Immerhin gibt es hier eine Klimaanlage“ gurrt die beste meiner Ehefrauen. Camomilla te, sagt sie, wir sind ja gleich draußen.

Endlich am Auto. Dort wo sonst die Einkaufswagen geparkt sind herrscht gähnende Leere. Eine Italienerin kommt mit einer 1 Euro Münze in der ausgestreckten Hand auf meine Frau zu. Nein, nur fünfzig Cents. Sie können keine Italienerin sein, stellt sie fest, die hätte den Euro ohne Skrupel kassiert und sich über das schnelle Geschäft gefreut. Tante Grazie! Ich habe inzwischen Zeit darüber nachzudenken, ob es sich da um eine geniale Geschäftsidee handeln könnte.

Wir kaufen die nächsten Wochen seltener und dafür auf Vorrat ein.