Donnerstag, 4. April 2013

Taggiasca: Nomen ist nicht immer Omen

Ja wo denn nun? Die ligurischen Gemeinden Taggia und Seborga streiten sich darum, auf wessen Territorium der erste Olivenbaum gepflanzt wurde, dessen Früchte heute als Taggiasca-Oliven berühmt sind. Ihr Öl gilt als eines der Feinsten im gesamten Mittelmeerraum.
Entbrannt ist die Nachbarschaftszwist, nachdem der Gemeinderat des 320-Seeldorfes Seborga die Vergabe des Prädikats „Denominazone Comunale d´Origine“ (DeCO) für eben jene Olivensorte gebilligt hatte. Die Taggiasca-Olive sei historisch gesehen eindeutig ein seborghinisches Produkt, so Vizebürgermeister Flavio Gorni.

Mönche von der französischen Inselgruppe Lerins vor Cannes hätten im Jahr 954 die ersten Samen nach Seborga gebracht. Von dort habe sich die Sorte rasch verbreitet, insbesondere rund um Taggia und trage deshalb heute den Namen dieses Ortes.

In Taggia erzählt man eine gänzlich andere Geschichte: Benediktiner aus der Abtei Pedona hätten die ersten „Taggiasca“ gepflanzt, um dem seit Jahrhunderten immer wieder von Sarazenen gebrandschatzten Argentina-Tal wirtschaftlich auf die Beine zu helfen. Die Mönche gründeten in Taggia das Kloster Santa Maria del Canneto, heute in beklagenswertem Zustand. So geschehen im 7. Jahrhundert nach Christus, das heißt, 200 Jahre bevor die Grafen von Ventimiglia Seborga als Lehen an die Mönche von Lerins gaben.

Mangels schriftlicher Zeugnisse wird sich wohl nie eindeutig klären lassen, welche der beiden Gemeinden das Recht auf ihrer Seite hat. Taggia könnte also ohne weiteres ein eigenes Prädikat vergeben.

Seborga, im Hinterland des mondänen Bordighera gelegen, ist ohnehin ein Kapitel für sich. Man rühmt sich, ein "Antikes Fürstentum" zu sein, aber wählt seinen Herrscher demokratisch. Die Operette füllt die Kassen, nimmt aber mitunter bizarre Züge an.