Montag, 10. Dezember 2012

Die Weihnachtsgans

Von Calabrone Vorletztes Jahr haben wir den Heiligen Abend im benachbarten Hause unserer Lieblingsfreunde Massimo und Mauro verbracht. Es gab ein opulentes Mahl und der Abend war sehr harmonisch. Eigentlich ist es untypisch für Italiener den Heiligabend zu feiern, aber die beiden haben sich uns schon angepasst. Im letzten
Jahr wollten wir uns revanchieren und ihnen mal zeigen, wie die Deutschen Weihnachten feiern. Beim Metzger meines Vertrauens bestelle ich frühzeitig eine schöne, große, fette Weihnachtsgans

Leider ruft er mich eine Woche vor Heiligabend an, um mir mitzuteilen: Es tut mir schrecklich leid, aber mein Großhändler kann nicht liefern. Oje was tun!!??

Meine Frau vertieft sich sofort ins Internet und findet wahrhaftig eine Landmetzgerei in Bayern, die vakuumierte deutsche Hafermastgänse auch ins Ausland versendet. Wir akzeptieren den horrenden Preis für den Versand via Luftfracht, viel Zeit bleibt uns ja nicht mehr. Die Wohnung muss geschmückt werden, ein Baum muss her, einer muss immer zu Hause bleiben, falls das Paket kommt.

Im Baumarkt finde ich einen schönen gerade gewachsenen Baum, aber wir haben keinen Christbaumständer. Mir fallen die in Ligurien typischen Ständer für die Sonnenschirme ein. Man nimmt einen alten Eimer, kippt ihn mit Zement voll, drückt in die Mitte eine leere Plastikflasche rein und wenn der Zement ausgetrocknet ist, hat man einen stabilen Baumständer.

Die beste aller Ehefrauen bemängelt dieses schmucklose Teil, also wieder rein ins Auto und ab zum Baumarkt. Mit den Gold-Sprühdosen mache ich ihr eine große Freude. Sie sprüht und sprüht ... Porzellanengel, den Christbaumständer, die Fußbälle unseres Enkels, das Halsband unseres Hundes und dann - für mich die genialste Idee -  die Papierstreifen aus dem Aktenvernichter, die zu Lametta umfunktioniert werden.

Einen Tag vor Heiligabend ist die Gans endlich da. Vor Freude springt meine Frau dem Postboten an den Hals ... Heiligabend, das Haus ist geschmückt, die Tafel eingedeckt, die Kerzen brennen, die Weihnachts-CD ist eingelegt.

Die Gäste kommen, unsere Freunde Massimo und Mauro, sowie Clara und Angelo. Als Gastgeschenk bekommen wir die üblichen Panettone und von Angelo eine Flasche Champagner.
Für den Aperitif gieße ich unseren schon lange kaltgestellten Champagner ein. Nachdem wir uns zugeprostet haben nimmt mich Massimo zur Seite, um mir eindringlich zu erklären, dass um der Höflichkeit Genüge zu tun, erst das Gastgeschenk hätte geöffnet werden müssen. Ich protestiere, aber der ist doch warm.

Als Vorspeise gibt es selbstgebeizten Lachs auf Kartoffelrösti. Unseren Gästen wäre Pasta wahrscheinlich lieber gewesen. Die Gans ist gar und herrlich knusprig, beim Tranchiern gebe ich mir Mühe, dass jeder zu seinem Fleisch genügend Knusperhaut kriegt. Die Kartoffelknödel und der Rotkohl werden angerichtet und mit der herrlichen Soße übergossen. Buon apettito.

Zuerst muss ich unseren Gästen erklären, was Kartoffelknödel sind, die kennen sie nicht, woraufhin Clara meint, da hätte ich doch gleich Gnocchi nehmen können.

Die Gäste loben die deutsche Küche, die doch so verschieden von der Italienischen ist und ich traue meinen Augen nicht, alle verschmähen die Haut und lassen sie auf den Tellern liegen.

Das Tiramisu zum Abschluss habe ich nicht mit Löffelbiskuit und Amaretto, sondern mit Cantuccini und Orangen Liquor zubereitet. Mhhh……ganz lecker, aber eigentlich………Als wir dann doch noch mit dem Gastgeschenk anstoßen, läuten draußen schon die Kirchenglocken zur Mitternachtsmesse.

Der Champagner von Angelo war übrigens korkig!

Nachdem die Gäste gegangen sind, sagten wir so ein schöner Abend, aber nächstes Jahr essen wir unsere Gans alleine, oder mit unseren deutschen Freunden.

In diesem Sinne Buon Natale per tutti wünschen Calabrone und die beste aller seiner bisherigen Ehefrauen!!!!!!!!