Montag, 24. September 2012

Tunnelblick ... Genuas Sopraelevata

Streitobjekt: Genuas SopraelevataDer Verkehr auf der Sopraelevata, jener auf Stelzen gesetzten Stadtautobahn, die seit 1965 in Genua die Verbindung vom Hafen zum Zentrum zerschneidet, soll unter die Erde. Der Tunnel ist ein seit Jahren immer wiederkehrendes Thema, das jetzt auch Bürgermeister
Marco Doria einholte. Die Liquidierung der „Società Tunnel di Genova Spa“, 2002 gegründet, ist erstmal vom Tisch, doch wie es mit den ehrgeizigen Plänen weitergeht, steht in den Sternen.

Das Mega-Projekt würde 500 Millionen Euro verschlingen. Kaum anzunehmen, dass es dabei bliebe. Bauzeit: Sechs Jahre plus. Der Stadtsäckel aber ist chronisch leer. Der Tunnel müßte privat finanziert werden. Letztlich würden aber doch die Autofahrer zahlen: Autostrade per l´Italia“ soll ein Maut-System ersinnen, das die Genueser selbst weitestgehend schont.

Doch was geschieht mit der dann obsoleten, geliebt-gehassten Sopraelevata, über die heute 4300 Autos pro Stunde donnern?

Nichts ist von Dauer. Im 19. Jahrhundert spannten sich an gleicher Stelle die Marmorterrassen von Ignazio Gardella, die widerum auf den Fundamenten der geschliffenen Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert ruhten. Die Marmorterrassen mussten nach nur 50 Jahren neuen Strukturmaßnahmen für den Hafen weichen.

Ein Abriss der Hochstraße, von vielen favorisiert, kommt aus Kostengründen wohl nicht in Frage. Manche träumen von einer grünen Promenade wie auf der alten High Line in Manhattan. Wahrscheinlicher ist, dass das ganze Projekt nach kurzer Blüte wieder in einen Dornröschenschlaf zurückfällt.