Donnerstag, 15. Dezember 2011

Eine Weihnachtsgeschichte

Von Calabrone    Der Sohn und die Schwiegertochter sind zu Besuch bei uns. Wir haben für Heiligabend einen Tisch im Santuario di Montegrazie bestellt. Zuvor wollen wir den beiden noch ein bisschen das Hinterland zeigen. Wir landen in Ville San Pietro, von dort nehmen wir die Pass-Straße zum Colle D´Oggia. Als wir Richtung Pantasina den
Berg wieder runterfahren, sehen wir unvermittelt eine graue Wand vor uns. Nebel! Der Schreck fährt mir in die Glieder, neben der Straße fällt das Gelände steil ab und rechts verläuft ein tiefer Graben. Auf der Rückbank klappern Zähne... Im Schritt-Tempo tasten wir uns weiter. Meine Frau, die früher davon geträumt hatte, mal die Camel Trophy mitzumachen, schreit hysterisch, du bringst uns alle um.

Ein paar Meter weiter blitzen uns im Licht der Nebelscheinwerfer zwei unheimliche Augen an. Ein Wolf! Das kann nur ein Wolf sein, Frau und Schwiegertochter kauern mittlerweile im Fußraum. Die Augen verschwinden. Meine Mitfahrer bitten mich innständig nach einem verlassenen Stall Ausschau zu halten, um dort den Nebel auszusitzen.

Langsam kommen wir weiter, mein Sohn hält den Fuß aus der Beifahrertür um den Straßenrand abzutasten. Urplötzlich tauchen zwei Scheinwerfer vor uns auf, ich halte den Wagen an, um dem bergauf fahrenden Fahrzeug die Chance zu geben, an uns vorbei zu fahren. Ich gebe Lichtzeichen, warum fährt der Idiot denn nicht? Mein Sohn steigt aus um sicher zu gehen, dass da keiner von der Straße abgekommen ist. Entwarnung, der Idiot entpuppt sich als Straßenbegrenzung mit Reflektoren.

Weiter talabwärts lichtet sich der Nebel. Pünktlich erreichen wir das Restaurant, die Familie hat sich inzwischen beruhigt. Wir bekommen im urgemütlichen Gastraum den Tisch neben dem Bollerofen. Ich erzähle Roberto - dem Wirt - von unserer Schreckensfahrt, er lacht, der Wolf ist ein Schäferhund, er gehört zu einem Bauernhof dort oben.

Frohe Weihnachten