Dienstag, 7. Juni 2011

Ausflugstipp: Strade di Pietra

Cenova im ligurischen Hinterland
Von der Via Canada in die Via Buenos Aires ... wir sind in Cenova, mit C wohlgemerkt, im hintersten Hinterland Imperias. Die Strade di Pietra haben uns hierhergeführt. In dem wie ausgestorben daliegenden Bergnest gibt es, wie schon zuvor in Lavina, herausragende Beispiele
ligurischer Steinmetzkunst zu bewundern, fein ziselierte Architrave, detailreiche Tür- und Fenstereinfassungen. Ein ausgewiesener Rundweg führt zu den schönsten Beispielen.

Kunstvolle SteinmetzarbeitDas kleine Museum ist nur nach Voranmeldung zu besichtigen. Rufen Sie Nadia an, unter 337 29 42 756 (nach 14.00 Uhr). Das Hotel Negro mit seinen 12 Zimmern liegt verwaist. Wolken schieben durchs Tal. Der Chef persönlich serviert den lapprigen Cappuccino. Die Saison beginnt erst zu Pfingsten. Bis dahin würden auch die Wanderwege in Schuss gebracht, versichert man uns. Jetzt stünde das Unkraut Meter hoch. „Brutto“. Wir folgen trotzdem dem Schild zur Kapelle San Bernardo.

Die angekündigten 15 Minuten ziehen sich. Wir sind allein auf weiter Flur. Schön ist es hier oben, abgeschieden und still. Es riecht nach Pilzen.

Vogelperspektive: Rezzo - Cenova - Lavinia
Unterhalb von Cenova rauscht die Giara. Am Oberlauf des Gebirgsbaches liegt Rezzo, bekannt für seine ausgedehnten Buchenwälder, die rustikalen Körbe aus Haselnussruten und für das Schloss der Clavesana. Der riesige Kasten ist gerade eingerüstet. Viel mehr interessiert uns ohnehin das Santuario Madonna Bambina, oberhalb des Ortes.

Santuario Madonna BambinaAußer uns steht nur ein Tübinger auf dem Parkplatz vor der Wallfahrtskirche. In der Luft liegt der Duft von Lindenblüten und das Summen der Bienen. Drinnen Klarheit und wunderbare Fresken, die erst in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts unter der Tünche zum Vorschein kamen. Die ältesten Darstellungen, Himmel, Fegefeuer und - sehr drastisch - die Qualen der Hölle, stammen aus dem späten 15. Jahrhundert.

Fresken zeigen HöllenqualenDie Fensterrosette ist aus einem einzigen Steinblock gehauen, zwei meisterhaft gemeiselte Steinsitze teilen das Mittelschiff. Trennlinie zwischen den Geschlechtern? Man weiß es nicht.

Der Korb für die Broschüren ist leer und die Kustodin Barbara, die gleich nebenan eine Ziegenkäserei betreibt, hat Mittagspause. Die Ställe hinter der Kirche sind neu, der frisch betonierte, riesige Vorplatz blendet, der Zauber verfliegt.

Aber wir werden wiederkommen und von Rezzo aus auf den Prearba (1445 m) steigen. Von oben soll der Blick auf der einen Seite bis Cuneo und weiter reichen und auf der anderen Seite bis Genova - mit G wohlgemerkt.