Sonntag, 6. September 2009

Es brennt mal wieder ...

... im ligurischen Hinterland Keine riesengroße Fläche bis jetzt, aber es weht ein mäßiger Wind und die Flammen breiten sich in entsprechender 'Windeseile' aus. Von unserem Haus auf der
gegenüberliegenden Seite können wir zusehen, wie sie sich durch die
Olivenbäume fressen auf ein hübsches weißes Ferienhaus zu. Es ist wie Kino, nur schwingt bei uns allen, die wir an Hängen oder Dorfrändern inmitten von Olivenhainen wohnen,  immer die leichte Angst mit, wir könnten die nächsten sein. Eingekreist von Feuer, keine Zufahrtsstraße für die Feuerwehr, keine dicken, langen Schläuche, um die Flammen selbst zu stoppen.
Und dann plötzlich das erlösende Geräusch. Der Rotor eines Helikopters. Eines Lösch-Helikopters. Unten dran hängt an einem Seil ein roter Sack. Und der ist prall gefüllt mit Wasser. Das wissen hier alle, denn dieser Wassersack ist die einzige Möglichkeit in dem unwegsamen Gelände ein Feuer zu löschen. Jetzt kann man aufatmen und sich entspannen.
Was sind das für Männer, die jeden Sommer nach monatelanger Trockenheit unermüdlich Wassersack für Wassersack hinein in den dichten Rauch fliegen, um die Feuerschäden zu begrenzen? Die zunächst den Sack über den höchsten Flammen öffnen, manchmal gefährlich dicht am lodernden Feuer, um dann nach und nach den Brandherd von außen her einzugrenzen mit ihrem Wasser.
Normalerweise holen die Piloten das Wasser aus dem Meer, aber heute hatte einer offensichtlich eine bessere Idee: Er flog eine nicht sehr weit entfernte Vasca an. Diese großen runden Stein-Behälter, die unregelmäßig verstreut in der Landschaft das Regenwasser sammeln und zur Bewässerung der Felder dienen.


Die meisten der Feuer, die sich in jüngster Zeit in der Ponente bis in bewohnte Gebiete fraßen und in der Levante Genua bedrohten, waren gelegt. „Piromani", nennt man verharmlosend die Täter. Deren Motive dürften aber ganz andere sein, als der pathologische Spaß am Zündeln. Hintergrund der jährlich wiederkehrenden Buschbrände ist in vielen Fällen die Grundstücksspekulation.
Wie aber kann man die Zahl der Brandstiftungen und ihre Auswirkungen künftig begrenzen? Die Hänge sauber halten ist das eine - wenn es nach Antonio Gagliano, zuständig für die öffentliche Sicherheit in der Region, geht, gerne auch mit Hilfe von Insassen des Gefängnisses von Imperia - , die am meisten bedrohten Gebiete mit Wasseranschlüssen zu vernetzen das andere. So könnten die Bewohner schon vor dem Eintreffen der Feuerwehr den Brandherd bekämpfen.
Gagliano stellt noch eine andere Idee zur Diskussion:  Schluss mit den Baugenehmigungen an den Hängen erst ab einer Grundstücksgröße von 5000 m². 1500m² reichten völlig, denn bei zu großen Zonen werde die Pflege mangels Zeit oder Geld gerne vernachlässigt.
Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Mit unglaublicher Präzision lenkte er seinen Hubschrauber direkt über den Wasserbehälter, der vielleicht einen Durchmesser von höchsten 6 - 8 Metern hat und ließ seinen roten Sack hinein schweben. Während sich der Sack füllte, 'stand' er fast bewegungslos über der Öffnung, um danach senkrecht hoch zu steigen, damit der gefüllte Sack am zackigen Beckenrand nicht beschädigt wird.
Auf dem Flug zurück zur Brandstelle, zog er kometenartig einen Sprühnebel-Schweif hinter sich her, flog hinein in den dicken Qualm und ließ das Wasser sehr genau am Rand des Feuers ab.
Seit 2 Stunden holt er nun bereits Wasser aus der Vasca. Unermüdlich immer dieselbe kurze Strecke hin und zurück, exakt zentriert über der Vasca den Sack füllen, los fliegen, löschen, zurück kommen. Und so weiter. Bis auch die letzte kleine Flamme gelöscht ist.

Was also sind das für Männer, die das tun und können? Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass sie Präzisionsarbeiter sind und über Stunden hoch konzentriert sein müssen.

Seit ich diesen einen einzigen Piloten jetzt seit zwei Stunden bei seinen Manövern beobachte und sehe, dass er den Brand so gut wie gelöscht hat, habe ich eine enorme Hochachtung vor ihnen. Und ich hoffe, dass ihre Arbeit, entsprechend gut bezahlt wird.
Denn ohne diese routinierten, furchtlosen und präzise arbeitenden Männer, wäre unser geliebtes ligurisches Hinterland wahrscheinlich sehr viel öder.    Von Ulli Kappler