Dienstag, 4. August 2009

Besuch im Galata Museo del Mare

Logo des MuseumsZwischen 1892, dem Jahr, in dem als Durchgangsstation für Emigranten aus aller Herren Länder seinen Betrieb aufnahm, und 1914, dem Beginn des Ersten Weltkriegs, verließen auch Hunderttausende von Italienern ihre Heimat, um in Amerika ihr Glück zu
suchen. Viele von ihnen starteten von Genua aus in ihr neues Leben. Im Galata Museo del Mare hat man den Auswanderern eine effektvolle Ausstellung gewidmet. Auf nach „La Merica!".

Auswanderer vor FreiheitsstatueAm Eingang bekommt jeder Besucher einen Pass und eine Schiffspassage ausgehändigt, mit der er selbst die Reise in die Neue Welt antritt. Ein Zöllner kontrolliert das von König Vittorio Emanuele unterzeichnete Ausreisedokument, dann geht es über die schwankende Gangway an Bord und durch die verschiedenen, detailgetreu rekonstruierten Decks zu den Quartieren der Emigranten, ganz unten im Bauch des Dampfers. Auf einem zerwühlten unteren Stockbett sitzend, lauscht man den Unterhaltungen und Liedern der Männer und Frauen, von denen die meisten ihre Heimat nie wieder sehen sollten. Sie essen und schlafen in Schichten.

Nach Wochen der Überfahrt  kommt durch das Bullauge die Freiheitsstatue in Sicht. Die Auswanderer werden nach Ellis Island verfrachtet, wo über ihr weiteres Schicksal entschieden wird: Einreise, Quarantäne oder Abschiebung.  Auch der Ausstellungsbesucher kann sich virtuell der Prozedur unterziehen. Am Ende ist nachzulesen, was aus dem realen Besitzer des Namens, den er für den Rundgang getragen hat, wurde. Die Passage nach „La Merica!" ist im Eintrittspreis enthalten.
Die ständige Ausstellung des Galata Museo del Mare widmet sich in 17 großen Sälen, verteilt über fünf Stockwerke, der Beziehung zwischen Mensch und Meer, multimedial und interaktiv. Der Besucher wird zum Protagonisten.

Exponat des Meeres-MuseumsSteuern Sie einen Walffangboot durch brodelnde See und tosenden Sturm vor Cap Horn. Per Knopfdruck lassen sich die Wetterverhältnisse auf der Leinwand in vier Stufen von ruhiger See bis orkangepeitschtem Wasser selbst bestimmen. Sie haben vier Minuten, um sicher Ihr Ziel zu erreichen, sonst heißt es „mission failed". Orkanerprobt bewegt man sich im Seemannsgang durch die nächsten Ausstellungssäle.

Wenn man sich zur Dachterrasse durchgearbeitet hat, wird man mit einem herrlichen Panoramablick auf die Stadt und den Porto Antico belohnt, wo gegen 17.00 Uhr die zurückkehrenden Fischer quasi vor der Tür des Museums ihren Tagesfang anbieten. Nehmen Sie einen Cooler mit auf diesen Ausflug!

Aperitif im SOHODenjenigen, die den Fisch lieber schon zubereitet vor sich liegen haben, sei das "SOHO" in der nahen Via Ponte Calvi 20, empfohlen, das den Beinamen "Restaurant & Fish Work" führt, weil es elegantes Speiselokal, Fischladen und Enoteca in einem ist. Suchen Sie sich Ihren Fisch in der Verkaufsvitrine selbst aus und sagen Sie dem Koch, dem man im Hintergrund bei der Arbeit zusehen kann, wie sie ihn haben wollen, gedämpft, gegrillt, auf dem Lavastein ... nur gebraten ist tabu.

Seit Neuestem kann man auch draußen sitzen. Wer nur den Aperitif zu 10 Euro bestellt, muss mit den ungedeckten Tischen vorlieb nehmen, was aber der Qualität keinen Abbruch tut. Die "Cruditè di mare" (roher Fisch, siehe Foto) sind köstlich. Dazu gibt es ein Glas des Haus-Champagners von Drappier. Aber auch Austern werden zum Aperitivo gereicht. Den Appetitanreger gibt es nicht nur abends von 18.00 Uhr bis 22.00 Uhr, sondern auch mittags - eine wunderbarer Art, die Zeit zu überbrücken, bis die Läden wieder aufmachen und das Leben in die Gassen zurückkehrt.