Freitag, 7. März 2008

Der Rote Palmenrüssler erobert Ligurien

In Antibes, keine 70 km von der Grenze zu Ligurien entfernt, herrscht Alarmzustand: Rund fünfzig Palmen des vornehmen Badeorts an der Côte d' Azur sind vom gefürchteten roten Palmenrüssler befallen. Auch an der italienischen Riviera muss man um die
Palmenbestände fürchten.
Diese wurden zum Teil noch im 19. Jahrhundert gepflanzt. Manche Exemplare in Sanremo stammen noch aus der Zeit, als die russische Zarin Maria Alexandrovna dort das milde Klima genoss.
Das erste Exemplar des Parasiten wurde in Ligurien bereits am 16. August 2007 entdeckt. 2009 wurden 30 befallenene Pflanzen in Bordighera registriert, etwa 40 in Alassio und Albenga und zwei in Laigueglia.
In Spanien und Sizilien hat er schon ganze Arbeit geleistet, der „Rote Palmenrüssler“, und große Bestände an Königspalmen vernichtet. In Ligurien ist die Lage noch unter Kontrolle. Doch mit steigenden Temperaturen wird auch die Aktivität von Rhynchophorus ferrigineus, so der wissenschaftlicher Name des ursprünglich in Südostasien beheimateten Kerbtiers, im nächsten Jahr wieder zu nehmen, so die Befürchtung.

Befallen wird die Palme meist am Blattansatz, gelegentlich aber auch über das Wurzelsystem. Äußerlich ist der Wirtspflanze nichts anzumerken, bis sie statisch instabil wird, auseinanderbricht und mehrere Generationen ihrer unliebsamen Gäste freigibt.

Dem Palmenrüssler ist extrem schwer beizukommen. Die chemische Keule hilft wenig: Vor Pestiziden ist er im Inneren der Palme weitgehend geschützt. Mit bioakustischen Verfahren aber kann man die Aktivität der Larven nachweisen. Um sicher zu gehen, dass kein Rüsselkäfer davonkommt, wird die Palme eingewickelt und verbrannt. Dann muss der Rote Rüssler mit Drachenbaumgewächsen und Agaven vorlieb nehmen, mit denen er aber auch ganz gut zurecht kommt.

Diesseits und jenseits der Grenze haben sich Rüssler-Taskforces gebildet, denn die Riviera ohne Palmen ist schlicht nicht vorstellbar.