Mittwoch, 20. Februar 2008

Wie Bordighera auf die Landkarte kam

Bordighera, wie Claude Monet es sah
"An einem strahlend schönen Apriltag 1840 schoss eine von vier Postpferden gezogene, elegante Reisekutsche im gestreckten Galopp die unter mondänen Weltenbummlern berühmte Cornice entlang, jene Straße, die, wie jeder weiß, an der Riviera di Ponente Genua mit Nizza verbindet...


Es gibt in Europa wenige Straßen, die schöner sind, und sicher bringen wenige, wie diese, gleich drei Merkmale von natürlicher Schönheit mit: das Mittelmeer auf der einen Seite, auf der anderen der Appennin und darüber der klare Himmel Italiens“:  So beginnt Giovanni Ruffinis Roman „Doctor Antonio“, der 1855 in England erschien. Dort lebte der zum Tode verurteilte Patriot und Fechter für die Einheit Italiens im Exil. Ruffini, der aus Genua stammte und in Taggia starb, schrieb diese Romanze nicht in seiner eigenen Sprache, sondern auf Englisch, mit einem bemerkenswerten Ergebnis. Abertausende von Engländern verfielen dem Zauber des damals noch weitgehend unbekannten Landstrichs jenseits der französischen Grenze...

„Ein schönes Land, aber kaum bewohnbar, ein Hochofen im Sommer und ein Gefrierschrank im Winter“, so sah man in Nordeuropa um 1850 Italien. „Doctor Antonio“ änderte das gründlich. Der Bestseller löste einen wahren Tourismus-Boom an der italienischen Riviera aus, vor allem das Fischerdorf Bordighera platzte bald aus allen Nähten.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren es bereits mehr als 3000 Engländer, die in Hotels oder Villen in und um Bordighera zeitweise, also im Winterurlaub, oder ganzjährig lebten. Das Dorf Bordighera selbst zählte lediglich 2000 Einwohner.

„Es ist eine Tatsache“, sagte anno 1903 der Schriftsteller Edmondo De Amicis, selbst häufiger Gast in Bordighera, "dass unter den ersten Engländern, die den Winter hier verbrachten, nicht einer war, der nicht `Doctor Antonio` gelesen hätte.“

1887, drei Jahre nach seinem Tod, machte die Gemeinde Bordighera Giovanni Ruffini zum Ehrenbürger, „weil er mit seinen Schriften die Schönheit unseres Himmels und die Milde unseres Klimas bekannt gemacht hat“.

Eine kleines, unbedeutendes Fischerdorf war durch einen nicht eben bedeutenden Roman zu einer Kapitale des internationalen Tourismus geworden.

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